Projektarchiv:Dreimaldrei: Unterschied zwischen den Versionen
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Grundsätzlich wollten wir die Zielgruppen mit dem Modellvorhaben auf drei Akteurs–Ebenen ansprechen: Politik und Verwaltung, Strukturen der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit, jugendliche Engagierte und Interessierte. | Grundsätzlich wollten wir die Zielgruppen mit dem Modellvorhaben auf drei Akteurs–Ebenen ansprechen: Politik und Verwaltung, Strukturen der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit, jugendliche Engagierte und Interessierte. | ||
Eine ausführliche Beschreibung von Ausgangslage und Zielsetzung | Eine ausführliche Beschreibung von Ausgangslage und Zielsetzung sowie die wissenschaftliche Auswertung finden sich in der Gesamtdoku, die im [https://shop.ljrbw.de/publikationen/abschlussbericht-dreimaldrei LJR-Shop] zur Verfügung steht. | ||
==Projektverlauf – Holprige Startphase und gleich schon mittendrin – Prozesse wirken!== | ==Projektverlauf – Holprige Startphase und gleich schon mittendrin – Prozesse wirken!== | ||
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* Verena Kriegisch, Sprecherin der AG Kreisjugendreferate | * Verena Kriegisch, Sprecherin der AG Kreisjugendreferate | ||
* Volker Reif, KVJS – Landesjugendamt | * Volker Reif, KVJS – Landesjugendamt | ||
* Prof. Dr. Thomas Meyer, DHBW Stuttgart, Leiter des Studiengangs Kinder- und Jugendarbeit, | * Prof. Dr. Thomas Meyer, DHBW Stuttgart, Leiter des Studiengangs Kinder- und Jugendarbeit, Professor für Praxisforschung in der Sozialen Arbeit. Wissenschaftliche Begleitung KVJS-Modellvorhaben „dreimaldrei“ | ||
Professor für Praxisforschung in der Sozialen Arbeit. Wissenschaftliche Begleitung KVJS-Modellvorhaben „dreimaldrei“ | |||
* Nico Alt, Mitglied des LJR Vorstand und Geschäftsführer des Kreisjugendring Rhein-Neckar | * Nico Alt, Mitglied des LJR Vorstand und Geschäftsführer des Kreisjugendring Rhein-Neckar | ||
* Heiko Bäßler, (Büro für Beteiligung | Beratung | Projektfinanzierung), Programmreferent KVJS-Modellvorhaben „dreimaldrei“, ehemaliger Geschäftsführer des SJR Herrenberg | * Heiko Bäßler, (Büro für Beteiligung | Beratung | Projektfinanzierung), Programmreferent KVJS-Modellvorhaben „dreimaldrei“, ehemaliger Geschäftsführer des SJR Herrenberg | ||
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Grundsätzlich können alle „Gelingensfaktoren“ auch als „Mißlingensfaktoren“ beschrieben werden. Und tatsächlich ist bei einem „Nicht-Nützen eines zentralen Gelingensfaktor“ nicht nur eine schlechtere Weiterentwicklung des Ringes die Folge, sondern kann das Scheitern des Gesamten bedeuten. | Grundsätzlich können alle „Gelingensfaktoren“ auch als „Mißlingensfaktoren“ beschrieben werden. Und tatsächlich ist bei einem „Nicht-Nützen eines zentralen Gelingensfaktor“ nicht nur eine schlechtere Weiterentwicklung des Ringes die Folge, sondern kann das Scheitern des Gesamten bedeuten. | ||
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Aktuelle Version vom 24. August 2026, 13:51 Uhr
| Dreimaldrei | |
|---|---|
| Projektbeginn: | 2015 |
| Projektende: | 2017 |
| Projektträger: | Landesjugendring BW |
| Finanzierung: | Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg |
Mit dem Modellvorhaben wollte der Landesjugendring Modellregionen dabei unterstützen, Jugendringe vor Ort als legitime und moderne Form der Partizipation von Kindern und Jugendlichen (neu) zu verankern, ehrenamtliches Engagement attraktiv(er) zu machen und den kommunalen Entscheidungsträger*innen die Bedeutung der Ringe für Selbstorganisation, politische Beteiligung und Interessensvertretung (neu) zu verdeutlichen.
Zielgruppen waren Jugendringe auf Kreisebene und der Ebene der kreisfreien Städte in Baden-Württemberg, Verbände und Vereine bzw. Mitgliedsorganisationen der kommunalen Jugendringe, kommunale Jugendreferate und die kommunale Jugendarbeit, alle Akteure in der Jugendhilfe, die an Vernetzung Interesse haben, Jugendliche, die Interesse an Partizipation haben sowie ehrenamtlich Engagierte. Grundsätzlich wollten wir die Zielgruppen mit dem Modellvorhaben auf drei Akteurs–Ebenen ansprechen: Politik und Verwaltung, Strukturen der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit, jugendliche Engagierte und Interessierte.
Eine ausführliche Beschreibung von Ausgangslage und Zielsetzung sowie die wissenschaftliche Auswertung finden sich in der Gesamtdoku, die im LJR-Shop zur Verfügung steht.
Projektverlauf – Holprige Startphase und gleich schon mittendrin – Prozesse wirken!
Das Modellvorhaben war planmäßig nach dem Ende der Sommerferien 2015 gestartet. Wie im Antrag formuliert, konzentrierten sich die Kräfte zunächst darauf, die Regionen einzubinden, die eine Interessenbekundung abgegeben hatten. Wie geplant wurden Vertreter*innen der Regionen zu einem Auftakttreffen im Oktober 2015 eingeladen. Dabei wurde klar, dass jede Region einen regionsspezifischen Zugang zur Umsetzung der Ziele des Modellvorhabens wählen wird. Außerdem wurde klar, dass die Umsetzung vor Ort in unterschiedlichem Tempo vonstattengehen wird. Grundsätzlich formulierten alle Anwesenden nochmals ihr Interesse an der Teilnahme. Des Weiteren wurden vielfältige Erwartungen und Hoffnungen benannt, die mit der erfolgreichen Umsetzung des Modellvorhabens verknüpft sind. Nach dem Auftakttreffen wurden mit den Vertreter*innen der Regionen bilaterale Gespräche geführt, in denen die ersten Umsetzungsschritte vor Ort geklärt wurden.
Nachdem alle dreimaldrei-Standorte zustande kamen, wurde im Sommer/ Herbst 2016 das Forschungsdesign für die wissenschaftliche Begleitung entwickelt und abgestimmt. Übernommen wurde die wissenschaftliche Begleitung durch Prof. Dr. Thomas Meyer (Duale Hochschule Baden-Württemberg/ Fakultät Sozialwesen, Studiengangsleiter Kinder- und Jugendarbeit und Professor für Praxisforschung in der Sozialen Arbeit).
Im Projektjahr 2016 bestätigte sich nochmal, dass die Umsetzung des Modellvorhabens an den verschiedenen Standorten in unterschiedlichem Tempo und in unterschiedlicher Intensität verläuft. Die Prozesse in der Stadt Lörrach (SJR/ Stadtjugendring) und im Kreis Tübingen (KJR/ Kreisjugendring) kamen weiter sehr gut in Gang.
Beim dritten Standort kam es zu einem Wechsel vom Landkreis Main-Tauber (KJR) zum Landkreis Heidenheim (KJR), in dem der Prozess aber zunächst ebenfalls stockend verlief. Der Prozess im Landkreis Main-Tauber selbst scheiterte aufgrund fehlender Ressourcen vor Ort. Im Zuge des Standortwechsels waren mehrere alternative Regionen/ Ringe im Gespräch.
Ausschlaggebend für den Landkreis und Kreisjugendring Heidenheim war die gute Ergänzung im Projekt dreimaldrei durch einen sehr ländlichen Standort mit einem großen Entwicklungsbedarf bei einem rein ehrenamtlich geführten Jugendring, der in der Vergangenheit immer wieder vor der Auflösung stand. Außerdem bestand die Bereitschaft/ das Interesse von Seiten des Kreisjugendreferates, den demokratischen Zusammenschluss der Jugend(verbands)arbeit im Landkreis zu stärken und die gleichzeitige Ratlosigkeit von Seiten der Verwaltung, wie dies nach mehreren Versuchen gelingen könnte. Hier erschien die Klärung von Erwartungen, die Einschätzung des Entwicklungspotentials sowie Überlegungen zu notwendigen Unterstützungsmöglichkeiten aus Sicht der einzelnen Akteur*innen für den Prozess vor Ort ein notwendiger erster Schritt zu sein und für das dreimaldrei-Projekt insgesamt viel Erkenntnis-Potential zu bieten.
Für den Landkreis und Kreisjugendring Ravensburg, die ebenfalls sehr starkes Interesse hatten, dreimaldrei-Standort zu werden, konnte als Alternative ein „gut beraten“- Prozess (Allianz für Beteiligung e.V., gefördert durch das Staatsministerium Baden-Württemberg) initiiert werden. Dieser wurde ebenfalls von dreimaldrei-Projektreferent Heiko Bäßler umgesetzt, so dass wir hier von diesen Erkenntnissen auch für das dreimaldrei-Modellvorhaben mitprofitieren konnten.
Das Projektjahr 2017 war an allen drei Standorten sehr intensiv. Die Arbeit an den einzelnen Themen, den internen Aufgabenstellungen sowie der strategischen Vorgehensweise sowie die darauf aufbauende Kommunikation mit Verwaltung und Gremien benötigte allerdings deutlich mehr Zeit, als angenommen. In Rücksprache mit dem KVJS verlängerten wir deshalb den Projektzeitraum bis März 2018. Einige Termine, insbesondere zur Kommunikation der dreimaldrei-Ergebnisse und die mögliche Bedeutung für den Landkreis/ die Kommune haben sogar nach dem offiziellen Projektende stattgefunden bzw. sind aktuell noch terminiert.
Für das Gesamtprojekt dreimaldrei stand, insbesondere ab der zweiten Jahreshälfte 2017, die stärkere Wirkung nach außen und Bekanntgabe von Ergebnissen für die Diskussion auf fach- und (jugend-) politischer Ebene an. Hierfür wurde u.a. wieder die Ringtagung des LJR (Landesjugendring) im Herbst 2017 sowie die LJR-Vollversammlung im Frühjahr 2018 genützt.
Der Austausch zwischen den Modellregionen, der zu Gunsten der örtlichen Prozesse anfangs weniger Priorität hatte (und haben konnte), sollte im Projektjahr 2017 wieder forciert werden. Hierfür hatten die Ringe bereits starkes Interesse angemeldet, für die Umsetzung hatten die Akteur*innen dann aber leider nur eingeschränkt Ressourcen zur Verfügung. So fanden hierfür keine extra Veranstaltungen mehr statt, sondern der Austausch wurde in die bestehenden Strukturen (Regionale AGs der Ringe, LJR-Ringtagung, LJR-Vollversammlung) verlegt bzw. haben ergänzend am Rande dieser Veranstaltungen stattgefunden.
Modellstandorte
Lörrach – Stadt (und Landkreis)
In der Modellregion Lörrach wurden bereits im Herbst 2015 Gespräche mit dem Jugendamt geführt sowie eine Bedarfserhebung unter dem Mitgliedsorganisationen des Jugendrings durchgeführt. Ein klares Ergebnis war, dass sich die Mitgliedsorganisationen hauptamtliche Unterstützung und Entlastung wünschen. Demzufolge richtete sich in der Modellregion die Aufmerksamkeit auf die Umsetzung dieses strukturellen Zieles. Außerdem wurde um Unterstützung bei den Verantwortlichen des öffentlichen Trägers geworben. Nach hoffnungsvollem Start scheiterten die Gespräche jedoch zunächst, sodass sich die Mitgliederversammlung des Jugendrings in der Folge dafür aussprach, die Finanzierung der hauptamtlichen Kraft zunächst aus eigenen Mitteln zu bestreiten.
Im Rahmen von dreimaldrei kooperierten in Lörrach der Stadtjugendring und das Stadtjugendreferat. Über die Vernetzung und in Bezug auf die Entwicklung des Stadtjugendringes eingebunden waren auch der Kreisjugendring sowie das Kreisjugendreferat. Als Herausforderung standen Professionalisierung des bisher ehrenamtlich arbeitenden Jugendrings und sein jugendpolitischer Bedeutungszuwachs im Fokus. In Lörrach fand mit dreimaldrei ein sehr intensiver Prozess statt, der in der Breite und Verlauf am ehesten der Planung für die Vorgehensweise in unserem Modellvorhaben entsprach. In der Intensität der Beratung und Unterstützung des örtlichen Jugendrings ging der Beratungsprozess deutlich weiter als geplant. Diese Intensität war im Jahr 2016 nur durch nicht abgerufene Kapazitäten aus dem dritten Projektstandort sowie insbesondere 2017 und 2018 durch zusätzliche Ressourcen des Landesjugendrings bzw. unseres Projektleiters Heiko Bäßler möglich.
Eine zentrale Rolle spielte die umfangreiche Beratung und Unterstützung der Vorsitzenden und Geschäftsführerin. Sie kommt aus dem Ehrenamt des Ringes und konnte über eine zeitlich befristete Projektfinanzierung dem Jugendring mit 50% als Geschäftsführung zur Verfügung stehen und damit den Weg der Professionalisierung des Jugendringes einleiten.
Daneben wurde über und mit dem dreimaldrei-Prozess die Vorstandsarbeit gestärkt. Im Rahmen von dreimaldrei fanden regelmäßig Vorstandssitzungen sowie ein- und zweitägige Vorstandsklausuren statt. Das vakante Amt des/ der 2. Vorsitzende*n konnte 2016 wiederbesetzt werden. Im Laufe des Projektes zeigte sich aber, dass die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder deutlich weniger Zeit und aktive Mitarbeit zur Verfügung stellen konnten, als geplant und für die Weiterentwicklung notwendig. Die Gründe hierfür waren in erster Linie die Belastung durch die Arbeit im eigenen (Heimat-)Verband sowie vorrangige Verpflichtungen im eigenen beruflichen Kontext bzw. benötigte Zeit für Schule und Studium. In der Folge musste immer wieder neu priorisiert werden und nicht alle Prozesse/ Entwicklungen konnten gleichzeitig vorangebracht werden. Die Arbeit und Verantwortung dafür lasteten auf wenigen zentralen Personen. Ohne die hauptamtlichen Ressourcen, die dem SJR in geringem Umfang durch verschiedene Projektfinanzierungen zur Verfügung standen, das großartige Engagement einiger wenigen Personen sowie die zusätzliche Unterstützung durch außen über die dreimaldrei-Beratung hätten auch diese Prozesse nicht aufrecht gehalten bzw. weiter geführt werden können.
Im Oktober 2017 war es mit Unterstützung des dreimaldrei-Prozesses nach einem früheren Generationenwechsel erstmals gelungen, einen neuen Vorstand mit gestärkter Besetzung und Personen aus unterschiedlichen Bereichen und gesellschaftlichen Lagern zu besetzen. Das neue (erweiterte) Vorstandsteam hat nun eine gute Mischung aus Personen, die den SJR bisher schon tragen, neuen jungen Leuten mit zusätzlichen zeitlichen Ressourcen für die Vorstandsarbeit und eigene Aufgabenbereiche sowie Personen mit gutem Standing und gesellschaftlicher Relevanz in der Lörracher Bürger*innen-Gesellschaft. Dies ist ein wichtiger Teilerfolg und könnte einer der zentralen Schlüssel für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Jugendringes sein. Im Rahmen der Mitgliederversammlungen wurde unter dem Label dreimaldrei gemeinsam mit den Vereinen und Verbänden an der Zukunft des Stadtjugendrings mit Blick auf inhaltliche Ausrichtung aber auch bezüglich struktureller Veränderungen gearbeitet.
Für eine intensivere und kontinuierliche Arbeit wurde die „AG Zukunft“ gebildet, die auch als örtlicher Steuerungskreis für unser dreimaldrei-Vorhaben fungierte. Neben den Vorstandsmitgliedern des SJR, Vertreter*innen aus Vereinen und Verbänden, teilweise Gemeinderatsmitglieder war das Stadtjugendreferat ständiges Mitglied in der AG. Im Jahr 2016 haben drei große Sitzungen der AG Zukunft stattgefunden, zusätzlich gab es Vorbereitungs- und Nachbereitungstreffen in kleinerer Runde. Die Arbeit im Rahmen der „AG Zukunft“ als Keimzelle und Triebfeder für die inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung des Ringes wurde nach einer weiteren großen Sitzung im März 2017 wieder in die bestehenden Strukturen des (erweiterten) Vorstands-Teams und Delegiertenversammlung zurückgeführt. Wichtig war es nun, zu den Themen in der Delegiertenversammlung wieder eine breitere Resonanz und Beteiligung zu bekommen.
Das Stadtjugendreferat diente als Schnittstelle zur Kommunalverwaltung und dem Oberbürgermeister sowie zu den städtischen Arbeitskreisen und den großen örtlichen Jugendhilfeträgern. Mit dem Stadtjugendreferat fand ein regelmäßiger Austausch statt. Im Laufe des Prozesses hat sich dies von einem reinen Austausch mehr zu einem gemeinsamen Arbeiten und gegenseitigen Unterstützen entwickelt. Dies funktioniert aber aus unserer Sicht leider noch nicht durchgängig und bleibt eine der Entwicklungsaufgaben in der Zusammenarbeit und für den Ring.
Insgesamt hat sich die Zusammenarbeit mit der Kommune weiter positiv entwickelt. Sehr positiv waren z.B. die gemeinsamen Gespräche mit dem Sozialdezernenten und dem städtischen Jugendreferenten. Auch zu anderen städtischen Ämtern und Fachbereichen hat sich ein Kontakt und eine Zusammenarbeit entwickelt. Ebenso auf Landratsamtsebene, wo es eine gute Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendreferat gibt, im Laufe der Zeit aber themenspezifisch neue Kontakte hinzukamen.
Inhaltlich wurde auf den verschiedenen Ebenen mit den geplanten Instrumenten unseres Modellvorhabens gearbeitet. Ausführlich verwendet wurden verschiedene Standortbestimmungen und Stakeholderanalysen.
Ebenso wurde eine IST-Analyse bezüglich der Aktivität/ Anbindung der Mitgliedsverbände und Delegierten an den SJR durchgeführt, sowie eine SOLL-Bestimmung mit Veränderungspotential vorgenommen und in eine konkrete Umsetzung gebracht.
In diesem Zusammenhang wurde (und wird) auch eine Öffnung/ Erweiterung des Ringes für bisher nicht berücksichtigte Jugendarbeitsbereiche diskutiert (z.B. Interkulturelle und Inklusive Öffnung). Strukturell interessant und ein möglicher Knackpunkt ist eine Parallel-Struktur der sportlichen Jugendarbeit, die nicht im Jugendring organisiert ist, sowie die Übernahme von großen Bereichen der offenen Jugendarbeit, Jugendkulturarbeit und Jugendsozialarbeit durch zwei große und etablierte Jugendhilfeträger. Ein weiterer Problemkomplex ist die Deckelung der städtischen Jugendarbeitszuschüsse, die sich bei einer Vergrößerung des SJR auf mehr Mitglieder aufteilen würden. Auch aus diesem Grund wurde das Thema „Förderrichtlinie für die Vereins- und Jugendarbeit der Stadt Lörrach“ (siehe dort) von den Vereinen und Verbänden/ dem Jugendring im Rahmen des dreimaldrei-Prozesses ganz grundsätzlich beleuchtet. Davon unabhängig gab es bereits erste Neuaufnahmen, um den SJR auf eine noch breitere Jugendarbeit-Basis zu stellen, z.B. die Aufnahme der der Jungen Liberalen (JuLis).
Ein großer Entwicklungsbedarf für den Jugendring zeigte sich im „Bewähren als verlässlicher und professioneller Partner“ für Stadt- und Landkreisverwaltung sowie für das Kooperationsgefüge. Dies war aufgrund der bisherigen Geschichte nicht verwunderlich. Teilweise gab (und gibt) es gegenseitige Vorbehalte aufgrund früherer konfrontativer Auseinandersetzungen und ungeklärten Rollenverteilungen im Kooperationsgefüge. Auch gab es bisher keine eigenen hauptamtlichen Ressourcen im Ring, um sich auf der professionellen Ebene etablieren und das Potential eines Jugendringes ausschöpfen zu können. Zahlreiche Kooperationsgespräche, die über dreimaldrei angeregt wurden, haben hier eine Veränderung angestoßen, die bereits auf die Arbeit und Relevanz des Jugendringes positiv Einfluss nehmen. Der Jugendring mischt sich stärker in relevante kommunale Prozesse ein und wird auch von städtischer Seite bei jugend(arbeits)relevanten Themen und Aufgabenstellungen sowie von Kooperationspartnern stärker angefragt und eingebunden. Als Beispiele seien hier der städtische Leitbildprozess sowie dessen Umsetzung, die Weiterentwicklung der Ehrenamts-Ehrungen, die Entwicklung/ Umsetzung der kommunalen Jugendbeteiligung oder die Überarbeitung der städtischen Förderrichtlinie mit den Zuschüssen für die verbandliche Kinder- und Jugendarbeit/ Vereinsarbeit genannt. An diesen Themen wurde auch im Rahmen des dreimaldrei-Prozesses intensiv gearbeitet.
Zur städtischen Vereins-/ Verbandsjugendförderung gab es mehrere Runden im Rahmen des Vorstandsteams, der AG Zukunft, der Delegiertenversammlung sowie Gespräche zur Rückkopplung mit dem städtischen Jugendreferat und Vertreter*innen des Gemeinderates. Dabei nahmen wir im Rahmen des dreimaldrei-Prozesses die aktuelle Förderrichtlinie und eventuelle notwendige Änderungen unter den Blickwickeln „Inhaltliche Schwerpunktsetzung“ sowie „Förderbedingungen + Beträge“ unter die Lupe und haben die Vereins- und Verbandsvertreter*innen bei der Konkretisierung von Vorschlägen/ Ansätzen für eine neue Richtlinie unterstützt. Zweiter Schwerpunkt der dreimaldrei-Beratung war auch hier die Prozessebene, also wie der SJR und seine Verbände in Rückkopplung mit Stadtverwaltung und Gemeinderat zu einer verbesserten Förderrichtlinie der Vereins- und Verbandsjugendarbeit kommen können. Dabei ging es um die Aspekte: Gesamtprozess/ -strategie, Beteiligung, Stolpersteine, Vorbereitung Antrag Stadtrat, notwendige Gespräche.
Im Rahmen dieses Prozesses wurde ein Vorschlag für eine neu strukturierte Förderrichtlinie erarbeitet, welcher nun final mit den Vereinen und Verbänden abgestimmt und dann dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgestellt werden soll.
Eine wichtige Rolle für die Entwicklung des SJR insgesamt spielen die Profilierung und das wahrnehmbare Auftreten des SJR über Projekte und Veranstaltungen. Hier kann insbesondere das Projekt „Unser Lörrach – Jugend gestaltet Heimat“ als Kooperation von SJR und dem Freien Theater Tempus Fugit mit Förderung durch die Baden-Württemberg-Stiftung genannt werden, sowie das Projekt „Mehr für die Zukunft – Bildung wie sie uns gefällt“ mit vielfältigen Jugendbildungsangeboten, Jugendleiter*innen-Schulungen und Seminaren, gefördert durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg.
Ergänzend zu den Entwicklungen des SJR im Rahmen von dreimaldrei konnte in Lörrach 2016 ein „gut beraten“-Prozess initiiert werden. Hierbei ging es um folgende Schwerpunkte: Stärkung von Jugendengagement in Lörrach (Zugang für Jugendliche, die sich bisher nicht engagieren; Zugang für neue Zielgruppen, die bisher weniger erreicht wurden); Entwicklung eines Projektes/ Konzeptes für Jugendengagement mit Vielfalt-Zielgruppen (Vielfalt-Spektakel in Lörrach! Vernetzung, Begegnung, Bereicherung!); Jugendbeteiligung als Einstieg ins Jugendengagement sowie eine Projektentwicklung zum Thema „Juleica-Offensive – Stärkere Anerkennung von Jugendengagement + Vergünstigungen mit der Juleica“.
Für die weitere Entwicklung des Jugendringes über konkrete Angebote konnte der SJR für 2018/ 2019 zwei neue Projektförderungen gewinnen: „Wir sind dabei“ von der BW-Stiftung und „Projektwerkstatt Vielfalt“ von der Robert-Bosch-Stiftung. „Vielfalt erlebbar machen“ ist dabei das verbindende Motto, welches auch eines der Leitideen für den Zusammenschlusses im SJR Lörrach werden soll und gut zu den Stärken eines Jugendringes passt. Nach einer ersten Projektbekanntgabe bei der SJR-DV im Herbst 2017 und Frühjahr 2018 gab es im Juni 2018 nochmal eine besondere SJR-DV mit großem Kick-Off zu den neuen Projekten und Ergebnispräsentation von dreimaldrei.
Konkret beinhaltet das Vorhaben „Werkstatt Vielfalt - Lörrach für alle – quer + bund – na und?!“ (Förderung durch die Robert-Bosch-Stiftung + Stiftung Mitarbeit) als Kooperationsprojekt von SJR Lörrach mit RainbowStars und Tempus Fugit folgende Elemente: Interviews mit Jugendlichen zu LSBTTIQ, Aktionen mit einer Straßentheatergruppe, Radio- und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema. Dabei soll mit der Anti-Bias-Methode gearbeitet werden und die „Vielfalt-Gesellschaft Lörrach“ (weiter-)entwickelt werden.
Das Vorhaben „Wir sind dabei – Vielfalt erlebbar machen“ (Projektförderung von BW-Stiftung und LJR BW) als Kooperationsprojekt von SJR Lörrach, Kulturzentrum Nelli Nashorn u.a. beinhaltet die Projekt-Bestandteile Vielfalt-Vernetzung, Vielfaltspektakel, Vielfalt-Begegnung im Alltag und Vielfalt-Bereicherung in den Vereinen. Für die Umsetzung wurde das Vereins- und Organisationen-übergreifende „Vielfalt-Orgateam“ gegründet. Als konkrete Maßnahmen werden aktuell das regelmäßige „Vielfalt-Café“ im Nelli Nashorn mit verschiedenen Veranstaltungen umgesetzt.
Die Juleica-Fortbildungen mit verschiedenen Themenschwerpunkten, wie sie während der Projektlaufzeit „Mehr für die Zukunft – Bildung wie sie uns gefällt“ in Kooperation von KJR, SJR, Kreisjugendreferat, BdKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend), Ev. Bezirksjugend begonnen wurden, sind mittlerweile fester Bestandteil des SJR-Jahresprogrammes.
Insgesamt bewährt sich der Stadtjugendring in einer Kooperationsgemeinschaft mit kollegialem Schulterschluss von Kreisjugendring, Kreisjugendreferat, Evangelische Bezirksjugend Markgräflerland und Kath. Jugendbüro Dekanat Wiesental. In dieser Konstellation wurde am 13.01.2017 mit großem Erfolg erstmals ein gemeinsamer Neujahrsempfang veranstaltet und am 18.01.2018 wiederholt. Hier gab es positive Aufmerksamkeit auch von Seiten der Stadt- und Landkreisverwaltung sowie Gemeinderät*innen und Kreistagsmitglieder. Genützt wurde dieser Rahmen um auf die Bedeutung der verbandlichen Jugendarbeit sowie die Entwicklungen des SJR im Rahmen des dreimaldrei-Modellvorhaben hinzuweisen.
Ein wichtiges Puzzlestück für die Entwicklung und Wahrnehmbarkeit des Jugendringes waren sicherlich auch die erfolgreichen Veranstaltungen „Politik + Pizza“ in Kooperation von SJR, KJR, Kreis- und mittlerweile auch Stadtjugendreferat: 2017 (Politik + Pizza 20.09.17) zur Bundestagswahl und im Rahmen der LJR-Aktion „Was uns bewegt“ sowie 2018 (Politik + Pizza 24.10.18) zur Kommunal- und Europawahl mit Stadt- und Kreisrät*innen umgesetzt.
Darüber hinaus konnten im Projektzeitraum verschiedene aktuelle und grundsätzliche Themen behandelt und mit den Mitgliedsverbänden bearbeitet werden. Hierzu gehören z.B. der „Schutzauftrag Kindeswohl – Vereinbarungen zum Kinderschutz + Erweitertes Führungszeugnis“ mit einer Kooperationsveranstaltung mit der Stadt Lörrach am 11.06.2018 sowie einer weiterführenden Diskussion in der Delegiertenversammlung zum aktuellen Stand und weiteren Handlungsbedarf in den Vereinen. Ebenso 2018 konnte das Thema „Neues Datenschutzgesetz – DSGVO“ aufgenommen und bearbeitet werden. Im Rahmen der DV gab es einen ersten Input zum Thema und Austausch über Stand und Handlungsbedarf über SJR in den Vereinen. In der darauffolgenden DV konnten konkrete Arbeitshilfen/ Infos zu Datenschutzerklärung, Überarbeitung der Homepages, Praxis der Mailverteiler, Infos Datenspeicherung gegeben werden.
Bei den „internen Themen“ für den SJR, die im Rahmen von dreimaldrei bearbeitet wurden, sind u.a. die „Überarbeitung/ Neuaufstellung von Vereinsbuchhaltung und Kassenabschluss“ sowie die Themen „SJR-Netzwerk lebendig gestalten“, „SJR-Materialpool“ und „Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit“ zu nennen.
Beim Thema Öffentlichkeitsarbeit ging es neben der Entwicklung eines SJR-Mottos, eines SJR-Flyers, die Überarbeitung und stetige Aktualisierung/ Präsenz von Homepage, Facebook und Youtub, insbesondere auch um das in Erscheinung treten/ die Mitwirkung bei Veranstaltungen im Lörracher Jahreskalender mit Info-/ Werbeständen und Aktionen.
Perspektive und Ausblick
Für den Stadtjugendring Lörrach geht es weiter um Professionalisierung und Bewährung im Kooperationsgefüge sowie der Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis. Hierfür gibt es vielfältige inhaltliche Ideen und Ansätze. Größte Herausforderung wird die Weiterfinanzierung der bisher projektfinanzierten 50% Personalstelle für eine Geschäftsführung. Dies soll langfristig mit Hilfe der Kommune möglich werden. Bis hierüber Verhandlungen mit der Kommune erfolgreich geführt werden können, wird versucht, über weitere Projektfinanzierungen den Ring weiter zu entwickeln und zu etablieren. Langfristig braucht es für den Ring hier aber ein Bekenntnis der Stadt mit entsprechenden Personalmitteln, sollte Erhalt und Stärkung von Struktur und Qualität der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit weiter gewollt sein. Auf rein ehrenamtlicher Basis fehlen Ressourcen, Fachknowhow und die Chance in den professionalisierten Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe und im kommunalen Geschehen ausreichend mitzuwirken.
Im Gegensatz verspricht der Zusammenschluss im Lörracher Stadtjugendring vielfältige Ansätze und großen Nutzen auch für die Kommune v.a. im Bereich Jugendengagement-Möglichkeiten, Unterstützung der Kinder- und Jugendarbeit in den einzelnen Vereinen und Verbänden, Erreichen von Vielfalt-Zielgruppen und Umsetzung der kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung.
Tübingen – Landkreis
Im Landkreis Tübingen sprach sich der Jugendring dafür aus, zunächst das strategische Ziel des Modellvorhabens zu verfolgen, nämlich den Jugendring als Beteiligungsakteur innerhalb der Mitgliedsorganisationen und auf der Landkreisebene wahrnehmbar zu machen. Dazu wurde zunächst ein Informations- und Klärungsworkshop im Februar 2016 terminiert.
Im Rahmen von dreimaldrei kooperierten in Tübingen der Kreisjugendring und das Kreisjugendreferat. Als Herausforderung standen die Zukunftsfähigkeit der Ringstruktur und Jugendbeteiligung im Fokus. Im Landkreis Tübingen fand ebenfalls ein intensiver dreimaldrei- Prozess statt. Im Vergleich zu Lörrach war dies allerdings stärker ein interner Prozess des Jugendringes, um sich inhaltlich und strukturell zu reflektieren und neu aufzustellen. Einbezogen waren das Kreisjugendreferat mit Schnittstelle zu den kommunalen Jugendreferaten im Landkreis, Stadtjugendpflege Mössingen sowie das Evangelische Jugendwerk Tübingen und der BDKJ als verbandliche Jugendarbeit. Für das Thema Jugendbeteiligung waren zusätzlich die Jugendkulturfestivals ract! Tübingen und U&D Mössingen involviert. Die Themen aus dem Prozess wurden über die Mitgliederversammlungen mit der Breite der Vereine und Verbände transportiert und teilweise diskutiert. Ebenfalls gab es Informationen in den Jugendhilfeausschuss sowie ein großes Interesse von Seiten des Landrats, Sozialdezernenten und Jugendamtsleitung.
Als örtliche Steuerungsgruppe diente ein erweiterter Vorstandkreis mit dem Kreisjugendreferat in beratender Funktion. Die Landkreisführung wurde durch das Kreisjugendreferat fortlaufend über den Prozess informiert.
Neben den regelmäßigen Beratungsterminen und Treffen der örtlichen Steuerungsgruppe mit halb- und ganztägigen Klausuren startete das Projektjahr 2016 mit zwei Workshops zum Thema Jugendbeteiligung, die durch externe Referent*innen zusätzliche inhaltliche Impulse brachten: Jugendbeteiligung Auftakt-Workshop am 07.02.16 und Workshop „Konkretisierung“ am 21.03.16. Im weitergehenden Prozess ging es dann um die Umsetzung der Ideen zum Thema Jugendbeteiligung. Auch für Tübingen konnte hier nochmal ein zusätzlicher „gut beraten-Prozess“ mit der Projektidee „Jugendbeteiligung über Jugendkulturfestivals umzusetzen“ initiiert werden.
Hierdurch konnte der Aspekt „Kommunale Beteiligung durch ein Modellprojekt ermöglichen“ oder „Modellprojekte für Kommunale Beteiligung über Jugendkulturfestival initiieren“ vertieft betrachtet und für einzelne Standorte/ bestehende Festivals konkret beraten werden. Hier zeigte sich, dass eine Umsetzung dieser Grundidee ganz individuell für die einzelnen Kommunen und Festivals entwickelt werden muss und ein Erfolg stark auch von anderen Themen rund um das Festival (Wie etabliert ist das Festival?, Wie wird es von den Erwachsenen/ der Kommune bewertet?, Wie ist das Team aufgestellt?, Haben die Akteur*innen eigenes Interesse, sind sie offen/ zu gewinnen für die Ideen oder fühlen sie sich ggf. bevormundet?, Wie kann dies vermieden werden?,...) und der Kommune (Wie weit ist Beteiligungskultur entwickelt?, Werden die jungen Menschen ernst genommen? Wie wird welches Jugendengagement bewertet?,...) abhängt.
5-Stufen-Modell zur Bewertung der Beteiligungs-Ausprägung bei Jugendkulturfestivals (Heiko Bäßler, 2017)
Für die Klärung, welche Anforderungen und Erwartungen der KJR an die Festival-Standorte bzw. ein „Modellprojekt Beteiligung über Jugendkulturfestival“ haben, hatte Heiko Bäßler ein 5-Stufen-Modell zur Beteiligungs-Ausprägung entwickelt. Anhand dieses Modells wurden die unterschiedlichen Erwartungen geklärt, ab wann ein „Jugendkulturfestival“ als „Jugendkultur- und Beteiligungsfestival bewertet werden darf.
- Stufe 1: Jugendkulturfestival als Gemeinwesen-Mitwirkung (wie U&D Mössingen): Junge Menschen beteiligen sich an der Gesellschaft durch Organisation eines Jugendkulturfestivals und leisten einen Beitrag für ein attraktives Gemeinwesen/ (Jugend)kulturangebot!
- Stufe 2: Jugendkulturfestival mit politischer Bildung (wie ract Tübingen): Junge Menschen setzen sich mit gesellschaftspolitischen/ jungendpolitischen Fragen auseinander, z.B. Infostände zu Themen, von Organisationen, Workshops,…
- Stufe 3: Jugendkulturfestival mit kommunalpolitischen Themen: Junge Menschen setzten sich mit konkreten lokalen Themen auseinander, Akteure aus der Kommunalpolitik sind vertreten/ diskutieren mit!
- Stufe 4: Jugendkulturfestival mit Rückkopplung in den kommunalpolitischen Alltag: Beteiligungselemente/ Ergebnisse der Beteiligung auf dem Kulturfestival sind mit den Prozessen in Kreistag/ Gemeinderat und Kreis-/ Gemeindeverwaltung rückgekoppelt, d.h. eventuell Jugendrelevante Themen aus Politik und Verwaltung kommen auf dem Festival an (zur Beratung, zur Meinungsbildung,…) – die Ergebnisse kommen im Gegenzug wieder in den Strukturen und bei den Verantwortlichen an. Absicherung der Wirkung/ Nachhaltigkeit. Zusätzlich wichtiger Aspekt ist die Rückkopplung der Ergebnisse aus den weitergehenden Kommunalpolitischen Prozessen an die Festival-Teilnehmer*innen (per Infoverteiler, beim nächsten Festival,…).
- Stufe 5: Jugendkulturfestival mit Andocken an ein grundlegendes Beteiligungskonzept im Kreis/ in der Kommune: Als fester Teil/ Ergänzung eines dauerhaften/ ganzjährigen Beteiligungskonzeptes
Beim Betrachten des Modells lassen sich Chancen und eventuelle Ansatzpunkte der Grundidee besser begreifen. Für eine Umsetzung/ das eigene Konzept muss geklärt werden, welche „Beteiligungs-Ausprägung“/ „Beteiligungs-Tiefe“ erreicht werden soll – und wie dies dann konkret erreicht werden kann. Innerhalb des Modells nimmt die „Beteiligungs-Ausprägung“/ „Beteiligungs-Tiefe“ zu. Klar wird, alle Stufen sind als „Jugendbeteiligung“ zu betrachten und zu würdigen. Ab Stufe 2, insbesondere aber ab Stufe 3 erfüllen die Jugendkulturfestivals auch die Kriterien für „Jugendbeteiligung im Sinne von Teilhabe/ Mitbestimmung an kommunalpolitischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen“.
Im Rahmen des dreimaldrei-Prozesses standen 2016 weiter folgende Aspekte und Zielsetzungen auf der Tagesordnung: Beteiligung der Mitgliedsverbände im KJR; Beteiligung in Mitgliedsverbänden propagieren; Kinder und Jugendliche für kommunale Beteiligung mobilisieren/ sensibilisieren; Anforderungen und Erwartungen an ein „Gesamtkonzept Jugendbeteiligung im Landkreis Tübingen“ und die Einordnung eines Modellprojekts/ der Jugendbeteiligung über/ mit dem KJR, Kickoff in Mitgliederversammlung zum Themenschwerpunkt Jugendbeteiligung.
Grundsätzlich kann der Ansatz des KJR Tübingen zur Jugendbeteiligung in 4 Teilen beschrieben werden:
- Kommunale Beteiligung durch ein Modellprojekt/ Jugendkulturfestival ermöglichen!
- Beteiligung der Mitgliedsverbände im KJR – Jugendring als gelebte Demokratie!
- Beteiligung in Mitgliedsverbänden propagieren – Verband als gelebte Demokratie!
- Kinder und Jugendliche für kommunale Beteiligung mobilisieren/ sensibilisieren/ qualifizieren (in/ über Verbände sowie davon unabhängig)
Eine besondere Idee, die im Rahmen der weiteren Beratung 2017/ 2018 entstanden ist war das Vorhaben „KJR als Anbieter von PartizipationsQualifizierung/ Jugendbeteiligungsqualifizierung“. Der KJR formulierte es selbst „ganz einfach so: KJR bietet (juleica?)schulungen an, die Jugendliche innerhalb einer Jugendbeteiligungsform fittiesieren soll, oder Jugendliche für die Jugendbeteiligung überhaupt (und die Findung einer Jugendbeteiligungsform) fittisiert, z.B. überzeugend präsentieren, wie funktioniert ein Antrag im Gemeinderat, wie läuft die Meinungsbildung bis zu einem Gemeinderatsbeschluss,…“ Der KJR sah diese Idee als gute Ergänzung zu den Impulsen/ Entwicklungen in den einzelnen Kommunen im Kreis. Der Bedarf wurde zum einen unter dem Aspekt der Qualifizierung gesehen, zum anderen, damit junge Leute eine Alternative auf Unterstützung und Information haben, unabhängig davon wie in der eigenen Kommune mit dem Thema umgegangen wird. Falls notwendig können Jugendliche mit Unterstützung des KJRs so dann auch selbst Impulse für die Einführung/ Umsetzung/ Weiterentwicklung von Jugendbeteiligung in hoher Qualität/ Beteiligungstiefe setzen und einfordern. Um das Vorhaben „PartizipationsQualifizierung“ einzugrenzen wurden im Rahmen der dreimaldrei-Beratung folgende Fragen behandelt: Themen?, Zielgruppen?, Bedarf (Wichtigkeit/ Bedarf aus Fachkräftesicht?; Interesse/ Bedarf aus Zielgruppensicht?), Form/ Rahmenbedingungen Schulung (Zielgruppenerreichung?, Zeitlicher Rahmen/ Dauer?, Gruppengröße?, Schulungsort?, Methoden/ Didaktik?, Konkrete Ideen?), Anknüpfungsmöglichkeiten bestehende Angebote?, Kooperationen?, Werbung?, Zugänge ermöglichen?, Nächste Schritte/ Verantwortlichkeiten/ Aufträge?.
Zusätzlich zum Themenkomplex Jugendbeteiligung kamen die in unserem dreimaldrei-Prozess generell geplanten Themen zum Tragen: Stellung des Ringes im Landkreis und Bedeutung im Kooperationsgefüge, Lebendigkeit und Bedeutung des Jugendring-Zusammenschlusses für die Mitgliedsverbände selbst, Kooperation von kommunaler Jugendarbeit/ Kreisjugendreferat und verbandlicher Jugendarbeit/ Kreisjugendring.
Hierzu passt auch, dass bei der gemeinsamen Tagung von Landesjugendring/ Jugendringe, Akademie der Jugendarbeit BW und der AG der Kreisjugendreferate des Landkreistags "Kooperation von Jugendringen und kommunalen Jugendreferaten gestalten" in Bad Liebenzell der Modellstandort Tübingen sowohl mit Kreisjugendreferat und ehrenamtlichen Vorständen des Kreisjugendringes vertreten war. Diese Impulse konnten hervorragend für die weitere thematische Arbeit genützt werden und waren einer der Schwerpunkte des Prozesses. Im Projektjahr 2017 fanden hierzu nochmal zwei gemeinsame Klausurtage von Kreisjugendreferat und Kreisjugendring statt.
Folgende Aspekte und Themen standen hierbei im Fokus:
- Jugendring und Jugendreferat – wo sind Gemeinsamkeiten, Schnittmengen, Unterschiede? Was sind jeweils: Auftrag?, Zentrale Aufgaben?, Struktur?, Möglichkeiten/ Vorteile?, Grenzen/ Nachteile?, Besonderheiten?
- Zusammenarbeit: Chancen in der Zusammenarbeit?, Schwierigkeiten/ Grenzen in der Zusammenarbeit?, Bedingungen für Zusammenarbeit, damit diese gelingt?, Störungen?, Wünsche?, Angebote?
- Informationsfluss, Kommunikation in der Kooperation, Regelmäßige Kooperationstreffen mit Austausch über Arbeit und Kooperationsmöglichkeiten: „Standard-Kooperationsgespräche“ + „Schwerpunkt-Thema-Kooperationsgespräche“, Vorabinfos, Gemeinsame Entwicklung von Konzepten, …
- Jugendhilfeplanung (Bedarf?, Planung?, Informationsfluss LRA (Landratsamt) – KJR (Kreisjugendring)?, Projekt „Teilplan verbandliche Kinder- und Jugendarbeit“?,…), Interessen, Themen und Kooperation im JHA (Jugendhilfeausschuss)
- Check Kooperationsprojekte (Wer ist verantwortlicher Träger?, Wer ist Kooperationspartner?, Wer macht was?, Wer braucht was?, Wie ist die Darstellung in der Öffentlichkeit? Wie soll sie sein?, Kreisjugendreferat – KJR – AOJA (Arbeitsgemeinschaft Offene Jugendarbeit) – Wer noch?
- Darstellung der Kooperation in der Öffentlichkeit, Balance Kooperation – Abgrenzung/ Selbständigkeit/ eigener Auftrag
- Zustandekommen von Jugendarbeits-Angebote (Bedarfe Jugendliche?, Eigeninitiativen?, Initiative „von unten“ vs. „von oben“?, Haltung?, Ansprüche ans Hauptamt (HA)?, Ansprüche ans Ehrenamt (EA)?, Verständnis von EA?, Motivation von EA? – Wer definiert einen Bedarf?, Wer entwickelt Konzepte?, Wie werden diese mit JA-Akteuren und Zielgruppen rückgekoppelt?, Wie können KJR + Kreisjugendreferat hier zusammenarbeiten?, Anschlussthema: Jugendhilfeplanung)
Insbesondere beim zweiten Klausurtag lag der Schwerpunkt auf der Konkretisierung:
- „Der eigene Auftrag und die inhaltlichen Schwerpunkte“: Welche konkrete Themen und Handlungsfelder ergeben sich aktuell aus unserem Auftrag als KJR/ Kreisjugendreferat?, Welche Schwerpunkte möchten wir in den nächsten 2 Jahren setzen?, Welches sind die „Big5“ (Themen, Angebote, Veranstaltungen) für die der KJR/ das Kreisjugendreferat steht oder stehen möchte?, Welche Themen werden aktuell von außen an uns herangetragen/ gefordert?
- Gesamtbetrachtung der der zehn „Big5“: Wo gibt es Schnittmengen?, Gehören/ passen die Themen/ Angebote zum KJR/ Kreisjugendreferat?, Wie wird das begründet? Wie kommt das zustande?, Fehlt was?
- Einzelne Betrachtung der zehn „Big5“: Schnittmengen?, Eigene Leistbarkeit?, Konkurrenz?, Möglichkeiten der Kooperation?, Chancen in der Kooperation?, Herausforderungen in der Kooperation?, Vereinbarungen?
Themenschwerpunkte bei den Terminen ab Herbst 2016 waren neben dem dreimaldrei-Prozess selbst: Zuschüsse/ Check Vereins-/ Verbandsförderung: Jugendbeteiligung – Umsetzung der Ideen an den verschiedenen Standorten im Landkreis; KJR „Erfolgreich in die Zukunft“ – Binnenschau; Öffentliche Wahrnehmung/ Jugendpolitisches Gewicht/ Politische Stimme der Jugend.
Bei dem umfassenden Themenblock KJR „Erfolgreich in die Zukunft“ – Binnenschau“ wurden verschieden Facetten beleuchtet und in die Arbeit des Kreisjugendringes eingebaut. Die einzelnen Themen wurden im Projektjahr 2017 weiterbearbeitet:
- Zusammenarbeit von Ring und kommunalen Jugendreferaten erfolgreich gestalten
- Junge Menschen aktivieren (für Jugendarbeit, für Ringarbeit, Mitarbeit im Vorstand? …)
- Mitgliedsverbände (Analyse/ Aktivierung/ Mitgliederpflege, Erweiterung/ Öffnung des Ringes?)
- Check Zielgruppen/ KJR-Angebote + Aufgaben/ Relevanz
- Hauptamt für den Ring (Selbstbestimmung/ Demokratische Strukturen/ keine Überprofessionalisierung vs. Entlastung/ Unterstützung/ Ermöglichung)?
Auch auf der Tagesordnung 2017 stand der Themenbereich „Öffentliche Wahrnehmung/ Jugendpolitisches Gewicht/ Politische Stimme der Jugend“ und die Analyse des aktuellen „Standing in Politik und Verwaltung sowie bei „Jungen Menschen und der Öffentlichkeit/ Bürger*innen-Gesellschaft“.
Ein inhaltlicher Schwerpunkt, der sich zusätzlich ergeben hatte, war das Thema „Demographischer Wandel“ und die „Bedeutung für die Kinder- und Jugend(verbands)arbeit und den Landkreis Tübingen“. Hierzu wurde 2017 (03.05.17) eine öffentliche Veranstaltung mit Dr. Ulrich Bürger (KVJS) im Kupferbau der Uni Tübingen umgesetzt. Auf Grundlage des Referates von Dr. Bürger ging es bei der anschließenden von Heiko Bäßler moderierten Diskussion mit Akteur*innen aus der Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis um folgende Fragen:
- Endet die Jugendarbeit in den Vereinen und Verbänden (im Kreis Tübingen)?
- Kennen Jugendliche noch das Ehrenamt?
- Gibt es meinen Verein noch im Jahr 2030?
- Was bedeutet der demografische Wandel für…. Hemmendorf, Starzach, Rottenburg, Wurmlingen, Lustnau?
Im Rahmen der Veranstaltung wurde schnell klar: der demografische Wandel betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche und stellt damit auch die Kinder- und Jugendhilfe vor deutlich veränderte Herausforderungen. Diese werden sich allerdings in den jeweiligen Praxisfeldern – aber auch regional und möglicherweise innerhalb eines Landkreises – ganz unterschiedlich gestalten. Nachdem das KVJS-Landesjugendamt im Jahr 2010 erstmals einen Bericht zur Kinder- und Jugendhilfe im demografischen Wandel veröffentlicht hatte, liegt seit Ende 2015 eine erste Fortschreibung dieser umfassenden Untersuchung vor. Mit Hilfe dieser analysierte Dr. Bürger die Veränderungen der zurückliegenden Jahre, überprüfte die seinerzeitigen Annahmen und Folgerungen und brachte die Perspektiven und Handlungserfordernisse auf einen aktuellen Stand.
Im Zentrum der Fachveranstaltung stand die Frage nach den spezifischen Herausforderungen und der Bedeutung der Kinder- und Jugendarbeit. Was heißt demografischer Wandel für junge Menschen unter dem Aspekt der Zielgruppe? Was bedeutet er für die verschiedenen Aktivitäten in Vereinen, Jugendgruppen, Jugendhäusern? Was bringt er aber auch im Blick auf das ehrenamtliche Engagement, das zu einem besonders knappen Gut wird?
Die demographischen Analysen auf Basis der jüngsten Bevölkerungsvorausrechnung erschlossen dabei Einblicke in die Notwendigkeit von Weichenstellungen, die sich in den nächsten Jahren als existentiell für die Handlungs- und Leistungsfähigkeit der (verbandlichen) Kinder- und Jugendarbeit erweisen werden.
Perspektive und Ausblick
Für den Kreisjugendring Tübingen steht weiterhin das Thema Jugendbeteiligung im Landkreis im Fokus. Im Bereich Qualifizierung wurde für 2018/2019 eine Juleica-Schulung in Kooperation von Kreisjugendreferat, kommunale Jugendarbeit im Landkreis und Kreisjugendring auf die Beine gestellt, in der es auch ein Modul zum Thema „Jugendbeteiligung in der Kommune“ gibt. Zusätzlich ergänzt der KJR einen den Baustein „Projektmanagement und Gruppendynamik“.
In Bezug auf die Strukturen und Verankerung des Ringes aber auch seine Rolle im und für den Landkreis muss an gelingender Kooperation mit den kommunalen Strukturen sowie der Frage von eigenem Hauptamt im Ring weitergearbeitet werden.
Hierzu stehen die Verantwortlichen von Landkreisverwaltung und Kreisjugendring in den verschiedenen Ebenen in sehr gutem Austausch. Gemeinsam betrachteten und bewerteten Kreisjugendreferat und Kreisjugendring gemeinsam mit Jugendamtsleitung, Sozialdezernent in Vertretung für den Landkreis die Ergebnisse und mögliche Ansatzpunkte für den Landkreis aus dem dreimaldrei-Prozess nach Vorstellung durch den Landesjugendring und das dreimaldrei-Team. Eine weiterführende Vorstellung und Diskussion im Jugendhilfeausschuss sind angedacht.
Heidenheim – Landkreis
In Heidenheim kooperierten im Rahmen von dreimaldrei der Kreisjugendring und das Kreisjugendreferat. Als Herausforderung standen die Stärkung des Jugendrings und geeignete Impulse des Kreisjugendreferats dafür sowie Jugendengagement im ländlichen Raum im Fokus.
Nachdem sich abzeichnete, dass der dreimaldrei-Prozess im Landkreis Main-Tauber nicht weiter zustande kommt, hatten wir zu Jahresbeginn 2016 den Kontakt zum Kreisjugendring Heidenheim aufgenommen. Nach den Vorgesprächen mit dem Kreisjugendreferenten wurde Anfang Juni 2016 endlich ein Termin mit dem neu gewählten ehrenamtlichen Vorstandsteam gefunden, der aber leider nicht zustande kam. Den Sommer über gab es einzelne Kontakte aber trotz intensiver Bemühungen kam bis in den Oktober kein Treffen zustande. Hier zeigte sich, dass auch für die normale Vorstandsarbeit keine Treffen zustande kamen und der Kreisjugendreferent selbst keine Resonanz aus dem KJR-Vorstandsteam erhalten hatte, in dem er beratendes Mitglied ist – so dass wir uns nicht wunderten, dass also auch unser dreimaldrei-Prozess zunächst nicht zustande kam.
Hier zeigt sich noch einmal das Ressourcen-Problem eines rein ehrenamtlich organisierten Jugendringes. Die Mitglieder sind voll berufstätig und in ihren Herkunftsorganisationen aktiv. Die Jugendring-Struktur ist ihnen sehr wichtig, aber schwer leistbar, da es eben noch hinzukommt. Und auch ein unterstützender Prozess wie dreimaldrei fordert zunächst noch einmal zusätzliche Ressourcen und Energie.
Unsere Strategie in der Begleitung war und ist, Angebote zu machen, Kontinuität zu gewährleisten, Beharrlichkeit zeigen – ohne zusätzlichen Druck aufzubauen. Dies hatte sich ausbezahlt, so dass gegen Ende des Jahres 2016 auch am Modellstandort Heidenheim der dreimaldrei-Prozess in Gang gekommen war. Richtig in Schwung kam der dreimaldrei aber erst mit dem Jahreswechsel und im Jahr 2017.
Selbstgenannte Themen des Ringes für den Prozess waren:
- Mitgliedsverbände: Analyse Bestand/ Aktivierung/ Kontakt
- Mitgliedsverbände: Öffnung?/ Erweiterung?/ Neue Vereine?
- KJR-Mehrwert herausarbeiten!
- Vernetzung und Begegnung für Mitgliedsverbände erlebbar machen!
- Erfolgsprojekte! (1-2 umgesetzte Erfolgsprojekte mit denen der KJR wahrgenommen wird!)
- Evtl. Jugendengagement/ Juleica-Initiative
- Evtl. Jugendbeteiligung/ Möglichkeiten GO §41a
- Zielgruppen-Analyse (Welche Zielgruppen hat der KJR? Wie gut erreichen wir diese? Wo haben wir Handlungsbedarf? Was unternehmen wir?)
- Stakeholder-Analyse (Welche Stakeholder gibt es? Wo sind wir gut oder weniger gut aufgestellt? Welche Strategie kann entwickelt werden?)
Konkrete Aufgabenstellungen des Ringes waren:
- Wachstum/ Personelle Ressourcen
- Honorarkraft/ Kleine Personalstelle
- Administration, Kontakte/ Kommunikation
- Änderungen im Vereinsregister hinbekommen!
- Kassenabschluss und Wechsel im Kassierer-Amt hinbekommen!
Als örtliche Steuerungsgruppe diente ein erweiterter Vorstandkreis mit dem Kreisjugendreferat in beratender Funktion. Die Landkreisführung wurde fortlaufend über den Prozess informiert. Bezüglich Erwartungen, Möglichkeiten aber auch Grenzen hatte eine Auseinandersetzung begonnen.
Strategisch erschien es wichtig, dass der KJR sich und sein Nutzen als Zusammenschlusses zunächst stärker erlebbar werden. Gleichzeitig war es dem KJR wichtig, begreifbar zu machen, dass er als demokratischer Zusammenschluss der Jugendarbeit und als Netzwerk an sich schon einen großen Mehrwert darstellt und viele Möglichkeiten bietet. Und dass ein Jugendring nicht (nur) über die Projekte oder konkrete Jugendarbeitsangebot bewertet werden kann, denn diese Jugendarbeit machen ja die Vereine, Verbände und Einrichtungen.
Im Landkreis Heidenheim war der Kreisjugendring auch 2017 im internen Prozess. Im Fokus stand die Mobilisierung der Mitgliedsverbände und eine Diskussion um Öffnung für bisher nicht erreichte bzw. berücksichtigte Kinder und Jugendliche sowie Jugendarbeitsbereiche. Ausführlich wurde die aktuelle Situation analysiert, die unterschiedlichen Verbände/Gruppen bewertet und gezielt Kontakt aufgenommen. Dies führte zum einen zur Aktivierung verschiedener Verbände, mehreren Neuaufnahmen sowie Verabschiedung von nicht mehr existenten Gruppen.
Gut gelungen ist es, die KJR-Mitgliederversammlung als lebendiges und sehr gut besuchtes Netzwerk-Treffen zu nützen, weiter auszubauen und erlebbar zu machen. In guter und produktiver Atmosphäre konnte auch im Rahmen der Mitgliederversammlung an den dreimaldrei-Themen bzw. Entwicklungsaufgaben des Kreisjugendringes gemeinsam mit den Vereinen und Verbänden gearbeitet werden. Gut genützt werden konnte die Mitgliederversammlung um stärker in den Austausch zu jugend(arbeits)relevanten Themen aus Sicht der unterschiedlichen Gruppen zu kommen. Auch ist es gut gelungen weitere Kooperationspartner*innen sowie weitere Vertreter*innen der Verwaltung einzubinden. Ein wichtiger Faktor ist das persönliche Kennenlernen und das Erleben einer gelingenden Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteur*innen. Hier scheint im Laufe der Projektzeit eine weitere Festigung statt gefunden zu haben, so dass viele Vereins-/ Verbandsvertreterer*innen mittlerweile regelmäßig kommen und sich auf den Austausch und die Kooperation freuen.
Eine zentrale Rolle spielt in einem Jugendring das Vorstandsteam. Hier kommt es auf die Zusammensetzung an. Ideal ist ein Team aus unterschiedlichen Jugendarbeitsbereichen mit erfahrenen und jungen Kräften, die insgesamt eine hohe Fachlichkeit und möglicherweise eigene gesellschaftliche Relevanz aber auch zeitliche Ressourcen, Ideen und Motivation haben.
Im Laufe des Prozesses ist es immer besser gelungen, das Vorstandsteam aufzustellen und weiter zu stärken. Dies wäre aber nicht möglich gewesen, ohne das Durchhalten und Überbrücken von einem kleinen aber festen Kern sowie der verlässlichen Unterstützung durch den Kreisjugendreferenten. Bei den Vorstandswahlen im Herbst 2017 konnte das Team durch das Gewinnen von neuen Mitgliedern und der Unterstützung des Vorstandsteam durch einen weiteren großen Jugendverband erstmals leicht verbessert werden. Dennoch zeigte sich weiter, dass die Vorstandsmitglieder mit ihren begrenzten zeitlichen Ressourcen Mühe hatten, ihre eigenen Erwartungen und die angepeilten Ziele zu erfüllen. Auch in Heidenheim zeigte sich deutlich die Problematik, die Jugendring-Struktur neben den eigenen beruflichen und privaten Verpflichtungen sowie des Engagements im eigenen Heimat-Verband rein ehrenamtlich stemmen zu können. Eine Krise in der insgesamt positiven Entwicklung entstand als 2018 der erste Vorsitzende aus Gründen einer neuen Arbeitsstelle und des damit verbundenen Wegzuges sein Amt nicht mehr weiter ausführen konnte. Das Vorstandsteam versuchte intern eine Lösung zu finden. Alle Bemühungen, noch jemand zusätzliches für das Amt und die Arbeit im Vorstandsteam zu finden scheiterte an der nicht verfügbaren Zeit der angesprochenen Personen.
Im Rahmen der dreimaldrei-Beratung gab es dann eine erweiterte Vorstandssitzung als „Krisen-Sitzung“, zu der relevante Personen und Verbände eingeladen wurden, die dem KJR nahe sind und diesen bisher auch mit tragen. Die Idee, die Verantwortung für ein gut besetztes Vorstandsteam, in die Strukturen des Ringes und den Schulterschluss der Vereine und Verbände zu geben, ging voll auf. Klar war, dass unabhängig von den persönlichen Einschränkungen, gemeinsam eine Lösung für den KJR gefunden werden musste. Dies gemeinsam zu stemmen, ermutigte die Akteur*innen und ermöglichte es ihnen, sich auch im Vorstandsteam einzubringen. So ging das Vorstandsteam in gestärkter Besetzung mit mehr Personen aus der Krise heraus, so dass sich die Arbeit und Verantwortung nun auf mehr Schultern verteilt. Einer der langjährigen Vorstandmitglieder erklärte sich unter diesen Voraussetzungen/ bei diesem Verständnis bereit auch das Amt des Vorsitzenden zu übernehmen. Dass die Vorstandsarbeit trotz aller Anstrengung dem Team Spaß macht, merkt man bei den Treffen und der Kommunikation. Zentrales Instrument für schnelle Absprachen und einen lebendigen Austausch ist eine sehr gut funktionierende WhatsApp-Gruppe in Ergänzung zu Rundmails.
Erfolgsprojekt Jugendbeteiligung
Neben dem Beleben der Netzwerkarbeit sollte mit Hilfe von einem Schwerpunkt-Thema bzw. einem konkreten Projekt der KJR neu erlebbar und seine Relevanz erhöht werden. Im Gespräch hierfür waren u.a. die Themen Jugendengagement, Juleica und kommunale Jugendbeteiligung mit folgenden Ansätzen:
- Jungen Menschen Zugänge zu kommunalen Beteiligungsformen ermöglichen
- Kommunale Jugendbeteiligung unterstützen (Werbung, Akteure, Themen, Umsetzung Jugendideen)
- Konkret umgesetzt werden konnte hier bisher die Unterstützung/ Rückkopplung für das 2017 vom Kreisjugendreferat entwickelte Konzept „Modulares Begleitungskonzept zur Jugendbeteiligung für die
Kommunen des Landkreis Heidenheim“. Hier konnte sich der KJR einbringen und sieht sich für die Erprobung und Umsetzung des Konzeptes als Partner und Schnittstelle zu den Vereins- und Verbandsstrukturen auch in den Kommunen. Eigene Maßnahmen und Angebote konnten hier mangels personeller Ressourcen allerdings nicht angeboten werden. Hier das Konzept (Harald Wirth, 2017) in aller Kürze:
- Vorstellung des Beratungskonzeptes mit Bausteinen auf Ebene der Verwaltung
- Arbeitstreffen mit Hauptamtsleiterinnen und Leitern durch Kreisjugendreferent
- Diskussion auf Ebene der Gemeindeverwaltung
- Zweites Arbeitstreffen für Rückmeldungen und Nachjustierung des Konzepts
- Vorstellung im Stadt-oder Gemeinderat
- Runder Tisch vor Ort
- Um den Entschluss eines Stadt-oder Gemeinderatsbeschlusses vor Ort umzusetzen. Dieser runden Tische können vom Kreisjugendreferent moderiert werden.
- Mögliche Besetzung: Mitarbeiter*in der Kommunalverwaltung, Zwei Jugendliche aus der Gemeinde, Ehrenamtliche aus der Jugendarbeit in Vereinen und Verbänden, MitarbeiterIn aus der OKJA (wenn vorhanden), Elternteile von Kinder und Jugendlichen, Kreisjugendreferent*in
- Aufgabe: Bestandserhebung zur Kinder- und Jugendteilhabe vor Ort, Vernetzung und Präzisierung schon vorhandener Formen, Entscheidung zur Umsetzung möglicher Bausteine der Partizipation in der Gemeinde und deren Anpassung, Planung und Organisation einer Implementierung eines Bausteines, Monitoring des Prozesses
- Schaffung von Anreizen: Gemeindeverwaltung übernimmt Spesen für die Mitglieder des runden Tisches, Anerkennungskultur für die TeilnehmerInnen des Runden Tisches wird eingeführt, Berichterstattung erfolgt in regelmäßigen Abständen im Gemeindeblatt
- Ideen zur Initialzündung vor Ort: Erstellung eines Jugendstadtplans für potentielle Neuankömmlinge und Jugendlichen aus Partnerstädten, Foto-Ausstellung im Rathaus/Bürgerhaus o. ä.: unsere Gemeinde aus Sicht der Kinder- und Jugendlichen, Öffentlichkeitswirksame Auftaktveranstaltung.
- In die Organisation sind örtliche Gegebenheiten und lokale Ressourcen einzubeziehen. Daher ist die Planung mit örtlichen Vertretern und auf der Ebene der runden Tische vor Ort denkbar.
- Bedeutung und Rolle der Vereine + Verbände (Konzept/ Ansatz mit dem KJR):
- Zugänge ermöglichen, Jugendbeteiligung helfen umzusetzen, von Ideen aus der Jugendbeteiligung profizieren/ helfen diese mit umzusetzen; Jugendverbände und Vereine sollen von Anfang an in das Konzept und die Vorgehensweise des Landratsamtes/ Kreisjugendreferat mit einbezogen werden.
Juleica-Offensive - Erfolgsprojekt Jugendengagement
- Qualitäts-Standard in der Kinder- und Jugendarbeit – Jugendleiter-Schulung mit „Handwerkszeugs“
- Fort- und Weiterbildungen
- Vergünstigungen mit der Juleica im Landkreis (Landkreis, Gemeinden, Gewerbetreibende, Vereine,…)
- Öffentlichkeitsarbeit „Ehrenamt braucht Anerkennung“
- Konkret konnten hier 2017 und 2018 gemeinsam mit dem Kreisjugendreferat verschiedene Fortbildungs- und Schulungsangebote bzw. Fachveranstaltungen angeboten werden, z.B. Schutzauftrag Kindeswohl §8a SGB VIII, Informationsveranstaltung Erweitertes Führungszeugnis mit Bereitstellung von Handlungsempfehlungen zur Umsetzung des §72A SGB VIII, Seminar Suchtprävention. Eine Veranstaltungsreihe zu „Öffentlichkeitsarbeit und Social Media“ konnte mangels personeller Ressourcen bisher noch nicht umgesetzt werden. Für das Thema Vergünstigungen mit der Juleica im Landkreis hat sich eine Arbeitsgruppe mit Vertreter*innen von verschiedenen Vereinen und Verbänden gebildet.
Um einen „Mehrwert zu generieren und sichtbar zu machen“ ging der KJR gemeinsam mit dem Kreisjugendreferat außerdem folgende Aufgaben ebenfalls ganz konkret an:
- Umfrage + Auswertung Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche im Landkreis: um eine Übersicht über die bestehenden Angebote zu bekommen und Kindern, Jugendlichen und Familien diese Informationen als Serviceleistung zur Verfügung stellen zu können. Aber auch um mögliche zusätzliche Bedarfe, Lücken oder Überangebote für bestimmte Altersgruppen, Freizeitarten und Zeiträume identifizieren zu können und ggf. notwendige Veränderungen in der Angebotsbreite anregen zu können. Der Fragebogen wurde 2017/ 2018 entwickelt und die Abfrage bei den Vereinen, Verbänden und Kommunen begonnen. Auswertung und weitere Schritte sind aktuell in der Arbeit.
- Plattform/ Übersicht Freizeitangebote und Material-, Räume-, Ressourcenpool im Landkreis: Auch hier wurde Abfrage und Datensammlung begonnen. Die Frage der notwendigen, sinnvollen und machbaren Zur-Verfügung-Stellung wird aktuell diskutiert.
- Fortbildungs- und Schulungsangebote in Kooperation mit dem Kreisjugendreferat: (Suchtprävention, Schutzauftrag Kindeswohl §8a SGB VIII, Erweitertes Führungszeugnis §72a SGB VIII , Öffentlichkeitsarbeit,…) – siehe oben.
Perspektive und Ausblick
Der KJR Heidenheim hat ein sehr starkes Entwicklungspotential und es gibt viele hoffnungsvolle Zeichen und Ansätze. Die Entwicklung innerhalb des Projektzeitraums ist enorm. Nun bedarf es weitergehender Unterstützung auch von Seiten des Landkreises, damit dieses „noch zarte Pflänzchen“ weiterwächst.
Eine personelle Unterstützung für administrative/ verwaltungstechnische Aufgaben, wie es sich der KJR wünscht, ist sicherlich ein erster wichtiger Schritt. So können die ehrenamtlichen Vorstände sich weiter auf die inhaltliche Arbeit und Entwicklung des Ringes als Zusammenschluss der Kinder- und Jugendarbeit konzentrieren. Langfristig scheint eine eigene Jugendreferentenstelle beim Kreisjugendring als Ergänzung zur Unterstützung durch den Kreisjugendreferenten notwendig zu sein, damit Rahmen und inhaltlich/ fachliche Qualität des Ringes und der Verbandsjugendarbeit abgesichert sind. Hier zunächst über eine Projektfinanzierung zu gehen, um weitere Entwicklungen und das Potential des Ringes sichtbar zu machen, ist sicherlich ein gute/ vorübergehende Lösung. Auf dieser Grundlage kann dann auch ein Landkreis weitergehende Entscheidungen treffen.
Eine wichtige Entwicklung, die den KJR deutlich unterstützt ist eine verbesserte Kommunikation mit Landkreisverwaltung und teilweise auch Kreistagsmitgliedern. Die Rückendeckung von Seiten der Landkreisverwaltung und des Kreistages für den KJR als Zusammenschluss der (verbandlichen) Kinder- und Jugendarbeit und die begonnene Arbeit, ist für die Akteur*innen, die den KJR aktuell so hervorragend voranbringen, ein ganz wichtiger Faktor.
Hervorzuheben ist hier eine sehr positiv verlaufene Jugendhilfeausschuss-Sitzung im März 2018, bei der Heiko Bäßler und Prof. Dr. Thomas Meyer die Ergebnisse von dreimaldrei – aber ganz wichtig das KJR-Vorstandsteam selbst die konkreten aktuellen Entwicklungen und Aktivitäten des KJR – vorgestellt haben. Kommentare wie „zum ersten Mal haben wir den KJR greifbar und eine konkrete Idee, was uns dies bringt“ oder „jetzt habe ich Gesichter zum KJR und weiß dass hier tolle kompetente und engagierte Leute dahinter stehen“ von Seiten der Ausschussmitglieder machen weiter Mut und bestärkten die Engagierten.
Besonders hervorzuheben ist aber auch ein guter, mittlerweile regelmäßiger Kontakt und die weiter große Unterstützungsbereitschaft von Seiten der Landkreisverwaltung auf den verschiedenen Ebenen: Kreisjugendreferat, Jugendamtsleitung, Sozialdezernent und Landrat sind mit den Akteur*innen des KJR im Gespräch und haben ihre generelle Unterstützung bei weiter guter Entwicklung zugesagt. Dies muss nun weiter konkretisiert und umgesetzt werden – und ist sicherlich eine der wichtigsten Faktoren für die weitere Entwicklung des Jugendringes.
Auch wichtig und sehr erfreulich sind die weitere Stärkung des Vorstandsteam (das Team hat sich weiter stabilisiert und vergrößert) und erneute Neuaufnahmen beim Kreisjugendring. Zum „Netzwerk“ Kreisjugendring gehören nun 16 Dachverbände der Jugendarbeit, darunter auch die Sportkreisjugend, die Evangelische und die Katholische Jugend, das Jugendrotkreuz und weitere Verbände. Neu aufgenommen wurde bei den Mitgliederversammlungen 2017/ 2018 die Kreisjugendfeuerwehr, der Eugen-Jäckle Chorverband, die Jugendhäuser Stadt Heidenheim, die Bläserjugend Heidenheim (als Jugend des Blasmusikkreisverbandes Heidenheim, in dem die meisten Musikvereine des Landkreises beheimatet sind) und die EC JA Heidenheim/ Herbrechtingen (die Jugendorganisation der Chrischonagemeinschaft Heidenheim/ Herbrechtingen).
Main-Tauber – Landkreis
Die Modellregion Main-Tauber und der Kreisjugendring sind durch relativ schwach ausgeprägte rein ehrenamtlich getragene Strukturen gekennzeichnet. Bereits im Auftaktworkshop wurde thematisiert, dass die Ressourcen vor Ort sehr beschränkt sind. Leider bewahrheitete sich diese Befürchtung: trotz mehrerer Anläufe und einer Fülle von Terminangeboten gelang es nicht, einen gemeinsamen Termin mit der Vorstandschaft des KJR Main-Tauber abzustimmen, um die konkreten Erwartungen der Akteure vor Ort und einen realistischen Zeitplan zu erörtern. Letztlich scheiterte der Prozess im Landkreis Main-Tauber aufgrund fehlender Ressourcen der Akteur*innen in diesen rein ehrenamtlich getragenen Strukturen. Selbst nach einer großen Anfangsmotivation und der Hoffnung, über das Modellvorhaben die Situation verbessern zu können, war es nicht möglich, den Prozess in Gang zu bringen.
Nachdem wir unsere Bemühungen am geplanten Modellstandort nach mehreren Anläufen und einer Fülle von Terminangeboten beendet und in Heidenheim begonnen hatten, meldeten sich einzelne Akteur*innen des Ringes doch noch einmal um sich über den Stand und den anstehenden Prozess zu erkundigen.
Dies ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: zum einen hatte offensichtlich nicht einmal die interne Kommunikation innerhalb des Kreisjugendringes funktioniert. Zum anderen waren die Akteur*innen, die nachgefragt haben, so mit anderen Aufgaben beschäftigt, dass sie erst nach über 6 Monaten die Zeit fanden, sich aktiv zu melden. Auch an dieser Stelle können wir nur auf das Thema Ressourcen verweisen. Eine hauptamtliche Grundstruktur vor Ort, die hier die Kommunikation moderiert hätte, wäre an dieser Stelle sicherlich eine hilfreiche Unterstützung gewesen.
Auch wenn ein dreimaldrei-Standort im Kreis Main-Tauber nicht möglich war, versuchen wir seither natürlich über unsere grundsätzliche Unterstützung der Ringe vor Ort als Landesjugendring den KJR weiter zu begleiten und für die ehrenamtlich Aktiven, die sich gemeldet hatten, zur Verfügung zu stehen. Hier ist ein dauerhafter aber loser Kontakt entstanden.
Ravensburg – Landkreis
Die Herausforderung des gut etablierten Jugendringes bestand darin, seine Relevanz zu erhalten und auszubauen, indem die richtigen Themen, Zielgruppen, Aufgaben im Landkreis identifiziert und angegangen werden. In dem über unser dreimaldrei-Projekt angeregten „gut beraten“-Prozess ging es um die Weiterentwicklung/ Neuausrichtung einer passenden Strategie zur Unterstützung und Verstetigung von Kinder- und Jugendbeteiligung im ländlichen Raum des Landkreises Ravensburg, anknüpfend an die bisher u.a. auch durch den KVJS angeregten Prozesse.
Ebenfalls ging es darum, den Jugendring und die Arbeit insgesamt weiterzuentwickeln. Kernfragen waren: wie stellt sich der Kreisjugendring für die Zukunft auf, welche Aufgaben übernimmt er im und für den Landkreis, auf welche Themen und Leistungen setzt der Jugendring um mit und für die Kinder- und Jugendarbeit auch weiterhin eine starke Rolle im Landkreis zu spielen?
Hierzu gab es, ebenfalls in der Beratung durch Heiko Bäßler, einen intensiven Prozess auf verschiedenen Akteuersebenen: Regionalgruppe mit Jugendarbeiter*innen aus dem Kreis, Jugendreferent*innen aus Jugendverbänden, KJR-Vorstandsteam, KJR-Geschäftsstellenteam und KJR-Mitgliederversammlung mit den Mitgliedsverbänden.
Strukturelle Rückkopplung und Fachdiskurs
Um den Erfolg des Projektes abzusichern und die grundsätzliche Entwicklung/ konzeptionelle Ausrichtung des Projektes zu begleiten gab es regelmäßige Treffen im internen Kreis des LJR-Fachteams sowie der Steuerungsgruppe in der Zusammensetzung LJR-Fachvorstand, LJR-Geschäftsführung, dreimaldrei-Projektleitung, Wissenschaftliche Begleitung und KVJS.
In den LJR-AGs der Jugendringe (Südbaden, Nordbaden, Südwürttemberg, Nordwürttemberg) wurde über das Modellvorhaben kontinuierlich berichtet sowie Einschätzungen zum Umsetzungsstand eingeholt.
Auch in der Vollversammlung des LJR wurde dreimaldrei vorgestellt, um die Breite der Mitgliedsverbände zu nützen, des Weiteren wurde im Vorstand und anderen Gremien des LJR regelmäßig berichtet.
Bildungsreferent*innen-Fachtag + LJR-Ringtagung 2016: „Gewusst wie! Kooperation von Jugendringen und kommunalen Jugendreferaten gestalten“
Für den Austausch mit den kommunalen Jugendreferaten (neben den Gesprächen mit den Sprecher*innen der kommunalen Jugendreferate) wurde in Kooperation mit der AG der Kreisjugendreferate des Landkreistages und der Akademie der Jugendarbeit Baden-Württemberg im Oktober 2016 ein gemeinsamer Bildungsreferent*innen-Fachtag zum Thema „Gewusst wie! Kooperation von Jugendringen und kommunalen Jugendreferaten gestalten“ umgesetzt.
Hier wurden neben dem inhaltlichen Schwerpunkt der aktuelle Stand und die ersten Zwischenergebnisse aus dreimaldrei vorgestellt. Dabei erscheint die gelingende Kooperation von Jugendringen und kommunalen Jugendreferaten als einer der zentralen Faktoren für die Bedeutung und den Erfolg der Ringarbeit aber auch der Jugendarbeit insgesamt. Eingeladen wurde mit der Einführung: „Die Zusammenarbeit von Jugendringen und kommunalen Jugendreferaten bringt nicht nur für beide Seiten Vorteile, sondern beflügelt auch die Jugendarbeit vor Ort. Leider besteht häufig nur ein sporadischer Kontakt. Um die Gründe dafür herauszufinden und eine Zusammenarbeit zu fördern, widmet sich die diesjährige Ringtagung der Kooperation zwischen diesen beiden wichtigen Akteuren. Die Ringtagung und AG der Kreisjugendreferate finden deshalb diesmal gemeinsam statt.“
Im ersten inhaltlichen Teil führte Prof. Dr. Reinhard Wiesner von der FU Berlin, Autor des Rechtsgutachtens „Jugendverbände sind zu fördern!“ und „Vater des Kinder- und Jugendhilfegesetzes“, ins Thema ein. Er beleuchtete die gesetzlich vorgesehene Rollenverteilung zwischen öffentlichen und freien Trägern und skizzierte die (ideale) Arbeitsteilung zwischen Jugendringen und Jugendreferaten. Der Nachmittag war der Diskussion aktueller Fragestellungen aus den Kommunen und Ringen mit den neu eröffneten Aspekten gewidmet. Ziel war es, tragbare gemeinsame Lösungen zu finden. Dabei wurden auch die unterschiedlichen Perspektiven und Sachzwänge der beiden Bereiche zur Sprache gebracht: gegenseitiges Verständnis erleichtert die Kommunikation bei Kooperationen und die Nutzung von Gemeinsamkeiten. Eine zentrale Rolle bei den aktuellen inhaltlichen Themen spielte Kinder- und Jugendbeteiligung und auch hier wurde die Frage der Zuständigkeiten sowie die Chancen und Grenzen der einzelnen Systeme diskutiert.
Eingebettet war das Treffen der Kommunalen Jugendreferate und der Jugendringe in die zweitägige Ringtagung. In einer Abendeinheit diskutierten die Ringe-Vertreter*innen weiter, was dies nun für die praktische Arbeit der Ringe vor Ort bedeutet und wie die Anregungen für eine verbesserte Kooperation umgesetzt werden können. Am zweiten Tag stand das Thema ‚Ringe stärken – Relevanz gewinnen‘ nochmal mit breiterem Fokus auf der Tagesordnung. Über Impulsvorträge von Heiko Bäßler als Programmreferent des KVJS-Modellprojektes dreimaldrei und ergänzende Workshop-/ Gruppenarbeitsphasen ging es darum, Wege zu erarbeiten, wie sich Ringe durch das Besetzen relevanter Themen und über die Interaktion im Gemeinwesen/ örtlichen Kooperationsgefüge weiterentwickeln und positionieren können.
Fachgespräch + LJR-Ringtagung 2017: „relevant, richtungsweisend, ressourcenreich – Starke Ringe vor Ort“
Mit dem Schwung der Ringtagung 2016 und gestärkt durch den Beschluss der Frühjahrs-Vollversammlung 2017 richteten wir dem Blick gemeinsam mit Vertreter*innen von Jugendringen und Jugendverbänden bei der Ringtagung 2017 in Kooperation mit der Akademie der Jugendarbeit Baden-Württemberg weiter auf die Gelingensfaktoren und Entwicklungspotentiale der Ringarbeit vor Ort.
Im Einstiegreferat sprach Dr. Liane Pluto, Abteilung „Jugend und Jugendhilfe“ im Deutschen Jugendinstitut, über die Rolle und Funktion von Jugendringen in der kommunalen Jugendpolitik. Seit über 10 Jahren beschäftigt sich das Deutsche Jugendinstitut mit dem Thema „Jugendringe“ – so haben sie beispielsweise die bundesweite Online-Befragung bei Jugendringen 2015 durchgeführt, um die Situation der Jugendringe noch genauer beschreiben zu können. Im Fokus sind hauptamtliche Ressourcen und ihre Wirkung im kommunalpolitischen Kontext.
Danach gab Heiko Bäßler, Programmreferent des dreimaldrei-KVJS Modellvorhabens, einen Überblick zu konkreten Ansätzen, wie sich Ringe erfolgreich weiterentwickeln und positionieren können. In einer gemeinsamen Arbeitsphase blieb Zeit die einzelnen Gelingensfaktoren zu diskutieren und zu gewichten sowie Ansätze vertiefend für den eigenen Ring zu überlegen.
Am zweiten Tag blickten wir zunächst im Detail auf die Ringstrukturen in Baden-Württemberg sowie die ersten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus dem KVJS-Modellvorhaben. Auf dieser Grundlage führten wir ein Fachgespräch mit den eingeladenen Vertreter*innen aus politischen Strukturen, Verwaltung und Jugendarbeit, den Teilnehmenden der Ringtagung und Kolleg*innen aus den dreimaldrei-Modellregionen Heidenheim, Lörrach und Tübingen. Eine der zentralen Fragen der Diskussion war: was es braucht, um erfolgreich vor Ort (verbandliche) Jugendarbeit zu betreiben?
Gesprächsteilnehmer*innen auf dem Podium waren:
- Lothar Kante, Kreisrat im Landkreis Calw und Mitglied des Jugendhilfeausschuss im LK Calw
- Wolfgang Trede, Leiter des Amtes für Jugend im Landkreis Böblingen, Mitglied im Landesjugendhilfeausschuss BW; Mitglied der Sachverständigenkommission des 14. Kinder- und Jugendberichts
- Verena Kriegisch, Sprecherin der AG Kreisjugendreferate
- Volker Reif, KVJS – Landesjugendamt
- Prof. Dr. Thomas Meyer, DHBW Stuttgart, Leiter des Studiengangs Kinder- und Jugendarbeit, Professor für Praxisforschung in der Sozialen Arbeit. Wissenschaftliche Begleitung KVJS-Modellvorhaben „dreimaldrei“
- Nico Alt, Mitglied des LJR Vorstand und Geschäftsführer des Kreisjugendring Rhein-Neckar
- Heiko Bäßler, (Büro für Beteiligung | Beratung | Projektfinanzierung), Programmreferent KVJS-Modellvorhaben „dreimaldrei“, ehemaliger Geschäftsführer des SJR Herrenberg
Die Frage nach hauptberuflichen Ressourcen und ihre Wirkung im kommunalpolitischen Kontext war eine der zentralen Themen im Laufe der zweitätigen Ringtagung und spielte deshalb eine wichtige Rolle im Fachgespräch, ebenso die Frage, wie sich Ringe erfolgreich weiterentwickeln und positionieren können. Bei allem stellte sich die Frage nach möglichen Finanzierungsquellen und Zuständigkeiten: bereits im Frühjahr 2017 haben die Ringvertreter*innen auf der LJR –Vollversammlung einen Beschluss herbeigeführt, der eine stringente Weiterverfolgung des Ziels verlangt, „dass es in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt einen aktiven Jugendring gibt, der über hauptamtliche Unterstützung verfügt“.
Aus Sicht der Antragssteller brauchen „die kommunalen Ringe eine weitere Förderung des Strukturaufbaus und eine stärkere Form der Einbindung innerhalb der Strukturen des Landesjugendrings“. Denn, so weiter im Beschluss „starke und gut vernetzte Ringe stärken die Vereine und Verbände an der Basis, in den Orten, Städten und Kreisen; dort, wo Jugendarbeit ganz konkret stattfindet“. Wie dieses Ziel erreicht werden könnte, hatte uns im Gespräch ebenfalls beschäftigt. Hier zeigte sich schnell, dass es voraussichtlich einen politischen Willen und Schulterschluss von mehreren Ebenen/ Entscheidungsträgern braucht.
Einig war man sich darüber, dass es für die Qualität der Jugendarbeit im Landkreis das Zusammenspiel einer starken Kommunalen Jugendarbeit sowie eines starken Ringes als Zusammenschluss der Jugendarbeit braucht. In diesem Zusammenspiel können unterschiedliche Sichtweisen und Aufträge sowie Möglichkeiten und Chancen dieser beiden Systeme für die Interessen/ Bedarfe der Kinder und Jugendlichen sowie die Qualität der Jugendarbeit genützt werden. Damit dies gut gelingt braucht es für beide Systeme die notwenigen Ressourcen sowie eine hauptamtliche Fachlichkeit – sowie eine vorbehaltsarme und offene Zusammenarbeit, gegenseitigen Respekt und den Willen, für das beste in der Sache gemeinsam zu ringen und hierfür die eigenen Möglichkeiten als Vorteiler einer guten Kooperation einzubringen.
AG Starke Ringe und Beschlüsse der LJR-Vollversammlung
Auf Grundlage der Auseinandersetzung mit den ersten dreimaldrei-Ergebnissen bei der LJR-Ringtagung 2016 brachten verschiedene Ringe und Verbandsvertreter*innen einen Antrag bei der LJR-Vollversammlung (LJR-VV) im Frühjahr 2017 ein. Durch einen Beschluss wurde dort der LJR-Vorstand damit beauftragt, eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung des Vorstands, der Verbände und der kommunalen Ringe einzurichten. Ziel dieser AG sollte die Erarbeitung eines Konzepts zur Stärkung der kommunalen Jugendringe sein. Im September 2017gründete sich eine AG „Starke Ringe“, die in insgesamt fünf Sitzungsterminen und in weiteren Terminen in drei Cluster-Untergruppen bis zur LJR-Herbst-VV 2018 ein Konzept erarbeitete, „wie die Arbeit der kommunalen Ringe hauptamtlich im jeweiligen Ring unterstützt, wie dies finanziert und wie die Vernetzung der kommunalen Ringe untereinander und mit dem Landesjugendring verbessert werden kann“ (aus: „Starke Ringe im ganzen Land!“ Beschluss der VV des LJR BW am 02.04.2017).
Involviert waren in die Arbeitsgruppe Vertreter*innen aus kommunalen Jugendringen, Jugendverbänden, dem LJR Vorstand und Mitarbeiter der LJR Geschäftsstelle. Anhand einer Übersichtskarte der Jugendringe in BW über die in der LJR Geschäftsstelle vorhandenen Daten zu hauptamtlicher Unterstützung der Jugendringe auf Stadt- bzw. Landkreisebene, wurde in die Beantwortung der Frage eingestiegen, was einen „Starken Ring“ denn eigentlich ausmacht, welche intelligente Vernetzung und moderne Vernetzungsstrukturen es braucht und wie eine Lobbystrategie aussehen müsste, um den Entscheidern die Notwendigkeit von hauptamtlicher Unterstützung vermitteln zu können. Außerdem sollte die Frage nach der Finanzierung beantwortet werden.
Die flächendeckende Verbesserung der finanziellen Ausstattung der kommunalen Ringe ist nach Auffassung des LJR-Vorstands und nach Diskussion in der AG Starke Ringe aktuell und zeitnah nicht durch Landesmittel im Rahmen einer gesetzlichen Verankerung erreichbar. Die finanzielle Förderung kommunaler Strukturen ist grundsätzlich Aufgabe der Kommunen. Aufgrund der komplett unterschiedlichen Strukturen der Jugendringe vor Ort müssten zukünftig eher die kommunalen Spitzenverbände Adressaten sein, also Städte-, Landkreis-, Gemeindetag und KVJS.
Einher geht mit dieser Erkenntnis ein Vorschlag zur Gestaltung eines Übergangs, dass nämlich zunächst vier hauptamtlich besetzte Stellen mit je 100% geschaffen werden sollen. Die Aufgaben solcher regionaler Koordinationsstellen wurden ausführlich beschrieben und fanden Eingang in einen weiteren Antrag inkl. Beschluss an die LJR-Herbst-VV 2018. Zur strukturellen Verankerung des Zuschusses für Hauptamt im Ring als institutionelle Regelförderung, die dauerhaft Verlässlichkeit bietet, ist eine umfangreiche Lobbystrategie notwendig.
Einen entsprechenden Projektantrag an mögliche Geldgeber soll eine Gruppe aus Mitgliedern der bisherigen AG „Starke Ringe“ sowie vom Vorstand des Landesjugendrings mit Unterstützung der Geschäftsstelle erarbeiten. Über das weitere Vorgehen berät aktuell der LJR Vorstand.
Treibende Kräfte hinter den Beschlüssen auf den Vollversammlungen des Landesjugendrings waren die Delegierten der vier AGs der Orts-, Stadt- und Kreisjugendringe. Sie initiierten Beschlüsse auf der Vollversammlung am 16.11.2013 Stärkung der Ringe vor Ort / Hauptamt für Ringe, auf der Vollversammlung am 02.04.2017, Starke Ringe im ganzen Land! sowie auf der Vollversammlung am 17.11.2018 Ringe in der Fläche unterstützen.
Die Entwicklung der Anträge erfolgte überwiegend in den vier AGs sowie am Rande der Ringtagungen. Mit den Debatten um die notwendige Ressourcenausstattung von Jugendringen sind die Anliegen Jugendringe auf den Vollversammlungen mit den Jahren immer stärker präsent geworden.
Gleichzeitig wurde immer wieder betont, dass eine erfolgreiche Arbeit der Jugendringe vor Ort nur gelingen kann, wenn die Jugendverbände die Ringe inhaltlich, personell und strukturell unterstützen. Deshalb war es wichtig, dass auf den Vollversammlungen die Beschlüsse zum Komplex Jugendringe von einer breiten Mehrheit getragen wurden und inhaltlich gut begründet waren.
Im Rahmen der Frühjahrs-Vollversammlung 2018 wurden die vorläufigen Ergebnisse des Modellvorhabens vorgestellt. Die wichtigste Erkenntnis aus dem Projekt war: umso breiter ein Jugendring aufgestellt ist, desto stärker kann er vor Ort agieren und wahrgenommen werden. Die Serviceleistung ist dabei sehr stark von den Ressourcen abhängig und die Vernetzung mit anderen Ringen spielt dabei eine wichtige Rolle. Dargestellt wurden hilfreiche Handlungsempfehlungen, wie die Ringstruktur zukunftsfähiger gemacht werden kann. In der sich anschließenden Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, welche Hauptschwierigkeiten ein Jugendring haben kann. Dies sind in aller Regel die knappen Ressourcen bzw. keine hauptamtliche Unterstützung sowie wenig Rückendeckung aus den eigenen Mitgliedsverbandsstrukturen und auf der Verwaltungsebene vor Ort.
Aktive Ansatzpunkte für den Landesjugendring um Wirkung zu erzielen, wären Mindeststandards für alle Ringe zu ermöglichen. An entsprechenden Tools und Vernetzungsmöglichkeiten wird im Rahmen der AG „Starke Ringe“ (s. o.) gearbeitet. Ebenso ist die Unterstützung durch die örtlichen Jugendhilfeausschüsse zu suchen. Engagiert diskutiert wurde die grundsätzliche Frage, wie sichergestellt werden kann, dass die Form Jugendring weiterhin zeitgemäß ist.
Projektergebnisse und Empfehlungen
Prozesse brauchen Zeit – Hilfreiches für die Arbeit!
Insgesamt bestätigten sich die im Antrag formulierten Erwartungen an das Modellvorhaben. Die grundsätzlichen Einschätzungen und Thesen, die uns das Modellvorhaben beantragen ließen, zeigten sich auch als auftretende Herausforderungen und Schwierigkeiten in den dreimaldrei-Prozessen vor Ort.
Besonders zu nennen sind hier zunächst die begrenzten zeitlichen Ressourcen der ehrenamtlich Aktiven. Je weniger hauptamtlich getragene Strukturen unterstützen und entlasten konnten, desto stärker wirkte sich dieser Faktor aus und reichte bis hin zum Scheitern an einem der geplanten Modellstandorte.
Als grundsätzliche Herausforderung bestätigte sich, dass sich Jugendringe in Kooperationsbezügen, insbesondere bei Kommunalpolitik und Verwaltung ein gutes Standing erarbeiten müssen. In Bezug auf dreimaldrei profitierten die Akteure teilweise durch das Modellvorhaben und bekamen so eine zusätzliche bzw. eine andere Aufmerksamkeit. Gleichzeitig erlebten wir in den Prozessen aber auch die (noch) bestehenden Defizite, z.B. dass Jugendringe von Seiten der Verwaltung oft noch nicht selbstverständlich, frühzeitig und ernsthaft in anstehende jugend(arbeits)relevante Prozesse involviert werden.
Durchgängig erscheint es einfacher für Jugendringe, über konkrete Leistungen für Kommune oder Landkreis begreifbar und attraktiv zu werden. Sich aber nur darauf zu fokussieren, könnte zu einer Verzweckung als Auftragsnehmer und Dienstleister führen und die Eigenständigkeit der Jugendarbeit in ihrer Ringstruktur als jugendpolitischer Akteur gefährden. Dies wiederum könnte die Potentiale, die aus einer mit Leben und auf hohem fachlichem Niveau gelebten Selbstorganisation hervorgehen, einschränken. Empfehlenswert erscheint es, hier eine Balance anzustreben.
Eine entscheidende Rolle spielt, ebenfalls wie erwartet, das Zusammenspiel von kommunaler Jugendarbeit/ Jugendpflege und Ringarbeit/ verbandliche Jugendarbeit. Hier unterschiedliche Sichtweisen und Aufträge, unterschiedliche Möglichkeiten aber auch Grenzen anzuerkennen und für die Interessen der Kinder und Jugendliche, sowie die Qualität der Kinder- und Jugendarbeit zusammen zu nützen, ist das Erfolgsrezept. Damit dies erfolgreich umgesetzt werden kann, scheint eine unterstützende hauptamtliche Struktur in beiden Systemen zwingend notwendig.
Ebenfalls bestätigte sich die Herausforderung, die Ringstruktur und den Nutzen dieses Zusammenschlusses nach innen, für die Mitgliedsverbände und Akteure erlebbar zu machen, als eine zentrale Daueraufgabe. Grenzen müssen akzeptiert werden. Interessant ist hier die Erfahrung aus Ravensburg mit einem gut aufgestellten Jugendring, der von seinen Mitgliedsverbänden genau so erlebt und beschrieben wird, wie es sich die Verantwortlichen (Vorstand und Geschäftsstellen-Team) auch gewünscht hätten: als Zusammenschluss, Stimme und politische Interessensvertretung für die Jugendarbeit und die Interessen von Kindern und Jugendlichen; als Forum Ideen und Problemstellungen gemeinsam anzugehen; als Dienstleister mit Fortbildungen, Verleihmaterial und hauptamtlichem Personal für alle Fragen rund um die Kinder- und Jugendarbeit. Hier gibt es z.B. ein starkes Bewusstsein für die Ring-Idee.
Auf die Prozessebene bezogen zeigt sich, dass das Umsetzungstempo für unser Modellvorhaben deutlich langsamer war, als erwartet. Sowohl die begrenzten Ressourcen, als auch die demokratischen Strukturen und die unterschiedlichen Akteurs-Ebenen mussten berücksichtigt werden. Zeit für die interne Klärung und Positionierung zu Themen/ möglichen Entwicklungen war wichtig und die Grundlage für alles weitere. Insbesondere für die Zusammenarbeit in einem Kooperationsgefüge oder als verlässlicher Partner für Politik und Verwaltung. Die Prozesse benötigten demzufolge Zeit.
Im Verlauf zeigte sich allerdings auch, dass die Entwicklungen und das Tempo für konkrete Ergebnisse und Umsetzungen sehr stark zunehmen können, wenn man die Prozesse tatsächlich systematisch und strukturiert wie durch dreimaldrei angeht. Die Kunst der Beratung und Begleitung ist hier, den Zeitraum so ausreichend zu wählen, dass es für die Akteure leistbar und unterstützend ist und die erarbeiteten Ergebnisse auch für die Umsetzung oder weitere Diskussion in den Strukturen genützt werden kann. Und es muss gleichzeitig gelingen, den Spannungsbogen und die Motivation in einem noch als Prozess erlebbaren Rahmen zu halten.
Dadurch zeigt sich aber auch noch einmal der Wert einer externen Beratung und Begleitung. Neben den inhaltlichen Punkten werden von den Akteuren vor allem das Kümmern um den Prozess mit der Gewährleistung von Kontinuität und eines roten Faden, als hilfreiche und wichtige Unterstützung rückgemeldet. Als methodisch wertvoll erwies sich eine strukturierte Stakeholder-Analyse sowie die daran geknüpfte Erarbeitung von Strategien mit Blick auf das Kooperationsgefüge sowie Entscheidungsträger in Kommunalpolitik und Verwaltung.
Ebenso war der Blick nach Innen in Bezug auf Nähe/ Ferne, Aktivität und Möglichkeiten der Mitgliedsverbände sowie die Überlegungen zu Erweiterungen und Öffnungen des Ring-Zusammenschlusses hilfreich.
Guten Anklang fanden die im Rahmen von dreimaldrei konzipierten Fragebögen/ Mitgliederbefragungen.
Stärke und Stärkung von Ringen und verbandlicher Jugendarbeit – Relevanzfaktoren?
Erreichen von Kindern und Jugendlichen – Relevanz für Jugendliche
Eine grundsätzliche Stärke der Jugendringe mit ihren Jugendverbänden ist das Erreichen von Kindern und Jugendlichen. Je besser dies umgesetzt wird, desto stärker ist die Relevanz des Ringes und seiner Verbände: für die Kinder, Jugendlichen und Familien aber auch für Kooperationspartner*innen, Entscheider*innen in Politik und Verwaltung sowie die breite Öffentlichkeit im Gemeinwesen. Gleichzeitig kann und sollte auf dieser Stärke ein Selbstbewusstsein aufgebaut werden – denn genau diese Stärke macht den Ring und seine Jugendverbände als Kooperationspartner interessant oder gibt ihm das Recht, sich im Interesse der jungen Menschen einzumischen und Aufgaben in der Jugendhilfelandschaft und im Gemeinwesen zu übernehmen.
Erreichen von „Vielfalt“-Zielgruppen
Eine besondere Profilierung und Stärkung können Ringe und Jugendverbände durch das Erreichen von verschiedenen Vielfalt-Zielgruppen erreichen, z.B. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund/ Migrant*innen-Organisationen, Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung, Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung, Kinder und Jugendliche mit unterschiedlicher sexueller Identität oder Orientierung/ LSBTTIQ.
Kinder- und Jugendarbeit/ Jugendverbandsarbeit setzt generell an den Bedarfen und Lebenswelten der Kinder, Jugendlichen und Familien an bzw. wird von ihnen selbst gestaltet. Genau deshalb sind Jugendringe und Jugendverbände besonders geeignet, zum einen Angebote zu gestalten, die für alle Kinder und Jugendliche passend und zugänglich sind, zum anderen differenzierte und empowernde Angebote für einzelne Zielgruppen mit bestimmten Bedarfen bzw. speziell notwendigen, niederschwelligen Zugängen.
Eine zentrale Aufgabe für die Ringe und Verbände ist es, hier die Diskussionen für eine Öffnung und Weiterentwicklung der Angebote zu führen und umzusetzen. Dies zum einen unter dem Aspekt „Soziale Gerechtigkeit und Teilhabe“, v.a. aber unter dem Aspekt „Vielfalt als Bereicherung für alle und Stärkung unserer Gesellschaft in sämtlichen Bereichen“. Zusätzlich ist es eine hervorragende Möglichkeit für die Kinder- und Jugendarbeit, sich zu profilieren und für Kommunen und andere Jugendhilfe-Träger ein*e attraktive*r Partner*in zu sein. Eine kleine Einschränkung ist, hierbei auf das Tempo zu achten, so dass Verbände und Ringe selbst, aber auch Kooperationspartner*innen und Kommunen/ das Gemeinwesen mit den Entwicklungen mitkommen bzw. auch eventuelle Vorbehalte ernst genommen und gemeinsam gelöst werden können.
Zusammenschluss von vielfältigen Organisationen und Gruppen
Der Zusammenschluss von vielfältigen Organisationen und Gruppen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Kinder- und Jugendarbeit ist eine der grundsätzlichen Stärken und Alleinstellungsmerkmalen von Jugendringen. Je breiter hier ein Ring aufgestellt ist, desto größer sein Wirkungspotential.
Diese Stärke muss durch eine lebendige und für den jeweiligen Ring passende Netzwerk-Kultur praktisch nutzbar und erlebbar gestaltet werden und ist keinesfalls ein Selbstläufer. Die Kunst liegt hier darin, eine gute Balance an Netzwerkdichte und Aktivität im Jugendring zu finden, so dass sich zum einen die Akteure kennen, in Kooperationen kommen und Dinge entstehen können, aber keine Überforderung eintritt, und die benötigte Zeit für den Ring/ die Ringaktivtäten nicht die Arbeit im Heimatverband schwächt. Dasselbe gilt für die Darstellung der Arbeit in der Öffentlichkeit. Ein Auftreten als Ring und Darstellung des Zusammenschlusses ist wichtig – ebenso aber die Profilierung der einzelnen Vereine und Verbände.
Ein wichtiger Faktor ist die Besetzung des Vorstandsteams. Hier ist es ein großer Vorteil, wenn auch die Zusammensetzung des Vorstandsteam eine möglichst große Vielfalt der Mitgliedsverbände widerspiegelt. Bei aktuellen jugendpolitischen Themen, Anfragen an den Ring von außen, eigenen Ideen und Planungen hat man schnell ein Meinungsbild, wie dies aus Sicht der unterschiedlichen Jugendarbeitsbereichen mit ihren Zielgruppen einzuschätzen ist. Ebenso stärkt die Verbindung in die einzelnen Bereiche den Informationsaustausch sowie Umsetzung der gemeinsamen Jugendring-Arbeit.
Themen, Schwerpunkte, Angebote u. Serviceleistungen
Der entscheidende und grundlegende Wert eines Jugendringes liegt im Zusammenschluss der Akteure und Organisationen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Jugendarbeit. Gemeinsam kann der Blick auf aktuell/ neu entstehende Bedarfe und Veränderungen in der Lebenswelt der Kinder- und Jugendlichen gerichtet und Lösungsansätze gefunden werden. Gemeinsam können Problemstellungen aber auch Visionen für und in der Kinder- und Jugendarbeit angegangen werden. Gemeinsam können fachliches Knowhow und Ressourcen ergänzt und besser genützt werden. Ganz praktisch ermöglicht das Netzwerk vielfältige Kooperationsmöglichkeiten. Und ein gutes Kooperationsgefüge ermöglicht wiederum durchlässige Teilhabe-, Beteiligungs- und Engagementmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche aus ganz unterschiedlichen sozio-kulturellen Milieus.
Dies muss gelebt, gepflegt und nach innen und außen vertreten werden. Es darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass für viele die greifbaren Themen, Schwerpunkte, Angebote und Serviceleistungen, die daraus entstehen, der maßgebliche Messfaktor für den Wert und Erfolg der Jugend(ring)arbeit sind.
Die Frage „was kommt hinten bei raus?“ muss also immer auch ganz konkret mit greifbaren und einleuchtenden „Produkten und Angeboten“ beantwortet werden können. Hierfür ist es gut, eine Einschätzung vorzunehmen, welche Angebote für welche Zielgruppen (Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Familien, Ehrenamtlich Engagierte, Hauptamtliche Fachkräfte, Kooperationspartner*innen, Entscheidungsträger*innen aus Politik und Verwaltung, Förder- und Zuschussgeber*innen, Sponsor*innen,…) wie wichtig, attraktiv oder im Gegensatz vielleicht sogar kritisch/ schädlich sein könnten.
Hierfür ist es hilfreich, sich der jeweiligen „Systemlogik“ bewusst zu werden, also die Frage unter dem Gesichtspunkt zu klären, was bedeutet das Angebot für die jeweilige Zielgruppe bzw. welche Interessen/ grundsätzliche Zielrichtung hat die Zielgruppe.
Jugendengagement- u. Beteiligungsmöglichkeiten
Jugend(verbands)arbeit beruht auf vielfältigen Jugendengagement- und Beteiligungsmöglichkeiten. Dies ist einerseits eine Stärke, benötigt andererseits aber eine permanente Weiterentwicklung und Berücksichtigungen der Interessen von jungen Menschen, damit attraktive und zeitgemäße Engagementmöglichkeiten tatsächlich angeboten werden können. Neben den klassischen Beteiligungsangeboten braucht es neue (auch kurzfristige) Engagementformen. Jugendringe müssen sich im Spagat üben zwischen klassischen Vereinsstrukturen und -funktionen einerseits und projektbezogenen Mitwirkungsmöglichkeiten andererseits.
Berücksichtigt werden müssen ebenso Veränderungen in der Motivation von jungen Menschen für ihr Engagement: der unmittelbare Gewinn für den einzelnen Jugendlichen spielt eine deutlich größere Rolle als früher. Der Mehrwert, den junge Menschen durch das Engagement haben können, muss also stets erkennbar sein. Dabei sind die jungen Menschen oft sehr zielorientiert und widmen sich oft lieber immer wieder einer neuen Aufgabe im Engagement, als dieselbe Tätigkeit über Jahre auszuüben. Für die Organisationen bedeutet dies natürlich einen sehr viel höhere Anforderung an die Weitergabe des Knowhows sowie die Aufrechterhaltung einer Kontinuität.
Ebenfalls deutlich verändert hat sich das Bedürfnis, mit dem eigenen Engagement auch öffentlich im Mittelpunkt zu stehen. So war es früher ausreichend mit dem eigenen Jugendverband/ der eigenen Gruppe erwähnt zu sein, mit der man sich identifizierte. Heute ist dies für die jungen Menschen auch ganz persönlich attraktiv.
Zu wenig für die Werbung der Jugend- und Ringarbeit genützt werden vielleicht die vielfältigen persönlichen Kontakte zu Funktions- und Entscheidungsträger*innen, die im Rahmen des Engagements ganz selbstverständlich möglich werden. Das Kennenlernen und der Austausch mit z.B. Landrät*innen, Oberbürgermeister*innen, Kreistags- und Gemeinderatsmitgliedern, Amts- und Schulleiter*innen gehört hier ebenso dazu wie der Kontakt zu leitenden Mitarbeiter*innen und Inhaber*innen von Firmen und Banken, oder Mitglieder von Serviceclubs und Professor*innen von Hochschulen. Hier ist es für junge engagierte Menschen ganz unkompliziert möglich, ein persönliches und hilfreiches Netzwerk aufzubauen sowie die eigenen Erfahrungsräume zu erweitern.
Gut verankert und in der Regel auch gut etabliert sind Ringe und Jugendverbände in den kommunalpolitischen Strukturen. Hier ist es wichtig, dass die Ringe ihre Aufgabe gut wahrnehmen, z.B. in den Jugendhilfeausschüssen oder im Rahmen der Jugendhilfeplanung. Auf örtlicher Ebene ebenso im Gemeinderat und den jeweils relevanten Ausschüssen, im Kontakt mit den Fraktionen sowie in den Strukturen der jeweiligen Verwaltung. Auch hier zeigt sich, dass die erarbeiteten und genützten Möglichkeiten für die Jugendverbände und Ringe sich einzubringen, quantitativ und qualitativ mit einer hauptamtlichen Unterstützung ansteigt.
Innerhalb der Jugendhilfeplanung könnte und sollte ein größeres Augenmerk auf die (verbandliche) Kinder- und Jugendarbeit gelegt werden. Hier könnten die Jugendringe eine zentrale Rolle spielen und den öffentlichen Trägern mit ihrem Knowhow und den Netzwerkstrukturen als Partner hervorragend unterstützen und ergänzen.
Bezüglich direkter Mitbestimmungsmöglichkeiten für junge Menschen in kommunalpolitischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen haben die Jugendringe mit ihrem Zusammenschluss der (verbandlichen) Kinder- und Jugendarbeit eine Verantwortung sich für diese im Sinne der Interessen und Bedarfe einzusetzen und beste Voraussetzungen und Kompetenzen diese als freie Träger in Kooperation mit Kommunen und Landkreisen zu initiieren und umzusetzen.
Jugendverbände und Jugendringe haben eine basisdemokratische Grundstruktur und damit hervorragendes Knowhow und Erfahrung in Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, außerdem vielfältige Zugänge zu ganz unterschiedlichen jungen Menschen, um diese zu erreichen bzw. ihnen den Zugang zu Beteiligungsformaten/ Strukturen zu öffnen und ebenso gut funktionierende Netzwerke zu Politik, Verwaltung und anderen relevanten Akteuren/ Organisationen im Gemeinwesen.
Eine logische Konsequenz ist es also, wenn Jugendringe mit ihren Verbänden die Felder der kommunalen Kinder- und Jugendbeteiligung mit besetzen und als freie Träger in Kooperation mit der öffentlichen Hand Prozesse, Formate und Konzepte initiierten, entwickeln und umsetzen.
Jugendpolitisches Einmischen
Jugendpolitisches Einmischen ist auf mehreren Ebenen gefragt. Jugendringe sind gefordert, mit ihren Akteur*innen die Möglichkeiten innerhalb der kommunalpolitischen als auch verwaltungstechnischen Strukturen zu nützen, ebenso, sich für (weitere) direkte Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen einzusetzen.
Dort wo Jugendringe klar erkennbar und mit deutlichem Profil für die Interessen und Probleme von Kindern und Jugendlichen eintreten, werden sie sowohl als Interessensvertretung als auch als starker Partner wahrgenommen, sowohl für die eigenen Verbände als auch für Politik, Verwaltung und Kooperationspartner*innen.
Erlebbarkeit und Nutzbarkeit des Jugendrings für die Aktiven
Die Erlebbarkeit und Nutzbarkeit des Jugendrings für die Aktiven bleibt eine der zentralen Daueraufgaben für einen Jugendring. Dies kann, so unterschiedlich wie die jeweiligen Mitgliedsorganisationen des Ringes und die einzelnen Akteur*innen sowie die Rahmenbedingungen für Kinder und Jugendliche und die Situation der Kinder- und Jugendarbeit vor Ort auch sind, nur durch verschiedene Maßnahmen gelingen.
In Bezug auf die Ringkultur und den Netzwerkaustausch braucht es z.B. das jeweilige aktuell richtige Maß an „Zeit für Kennenlernen und Austausch auf dessen Grundlage etwas entstehen kann“ und „ziel- und ergebnisorientierter Arbeit mit ressourcensparendem/ zeitschlanken Arbeitsaufwand“. Zentrale Bedeutung haben hier sicherlich die Mitgliederversammlungen/ Delegiertenversammlungen, die v.a. dafür genützt werden sollten, für die Akteur*innen in einem guten Verhältnis zum Zeitaufwand einen echten Mehrwert zu bieten: sei es durch Austausch und Begegnung, lohnenswerte Informationen und Inputs, Fachdiskussionen oder die gemeinsame Erarbeitung von jugendpolitischen Positionen. Was in welchem Rhythmus passt müssen auch hier die Ringe individuell herausfinden bzw. festlegen und kontinuierlich anpassen.
In Bezug auf die inhaltlichen Schwerpunkte mit Themen, Serviceleistungen und Angeboten braucht es die für den jeweiligen Zeitpunkt richtige Mischung, abhängig vom jeweilig aktuellen Bedarf. Dies erklärt, warum Ringe oft ganz unterschiedliche Schwerpunkte und Ausprägungen haben: z.B. Ringe, die v.a. auf den Netzwerkaustausch und Rahmen für mögliche Kooperationen setzen; Ringe, die v.a. als Serviceleister*innen für ihre Mitgliedsverbände (und hier wieder mit ganz unterschiedlichen Angeboten wie z.B. hauptamtlich besetzter Geschäftsstelle, Beratungsangebot, Fortbildungsmaßnahmen, Verleihmaterial, Fahrzeuge oder Freizeithäuser) auftreten; Ringe die v.a. als Anbieter von Freizeiten und Jugendveranstaltungen oder sogar Träger von Einrichtungen auftreten oder Ringe, die sich auf die jugendpolitische Vertretungsfunktion als Dachverband konzentrieren.
Die jeweils richtige Mischung der Schwerpunkte muss immer wieder überprüft und neu gefunden oder verändert werden. Je nach Kapazitäten und Strategie müssen die Vereine und Verbände im Ring auch festlegen, wie breit sie hier aufgestellt sein wollen und können, oder ob sie sich auf einen oder wenige Tätigkeitschwerpunkte begrenzen wollen oder müssen.
Innovationsstärke (Neue Themen, Zielgruppen, gesellschaftlich relevante Problemlagen)
Eine Möglichkeit den Nutzen für die Akteur*innen im Jugendring sowie Politik, Verwaltung, Kooperationspartner*innen und Öffentlichkeit erlebbar und sichtbar zu machen ist eine hohe Innovationsstärke, also das Aufgreifen und Bearbeiten von neuen Themen, Zielgruppen und gesellschaftlich relevanten Problemlagen sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit, damit die Angebote zu den sich permanent verändernden Lebenswelten von Kinder und Jugendlichen passen und die unterschiedlichen Zielgruppen erreicht werden.
Auch hierfür liegt eine große Stärke im Zusammenschluss der Jugendverbände und Organisationen, da hier die unterschiedlichsten Blickwinkel, Erfahrungsräume aber auch Knowhow und Zielgruppen zusammenkommen.
Mit dem Blick nach innen, ist es gut, wenn Ringe aktuelle oder aufkommende Themen aufgreifen und mit den Vereinen und Verbänden, unabhängig vom eigenen Tagesgeschäft, dazu in den Austausch gehen und ggf. gemeinsam an Positionen, Angeboten, Lösungen arbeiten. Auf der anderen Seite muss der Ring damit leben, manchmal einen Schritt zu schnell zu sein bzw. die Zeit für Meinungsbildung und Entwicklungen zu lassen und Prozesse so zu gestalten, dass sie für die Vereine, Verbände und Gruppen leistbar werden. Mit dem Blick nach außen, ist es gut, sich als Knowhow-Träger und Zukunftsentwickler anzubieten und zu profilieren. Neben dem Gewinn und die Notwendigkeit für die eigene Arbeit, sich mit den aktuellen Themen und Herausforderungen auseinanderzusetzen, ist es eine hervorragende Möglichkeit, sich auch hier als attraktiver und kompetenter Partner und Ansprechpartner anzubieten.
Noch immer aktuelle Themen und Problemstellungen, bei denen Jugendringe und Verbände als Innovationsträger punkten können sind z.B. „Sensibilisierung und Öffnung der Angebote für Vielfalt-Zielgruppen“, „Inklusive Jugendarbeit“, „Kinder- und Jugendbeteiligung“, „Nachhaltigkeit“, „Gesundheitsförderung“, „Webbasierte Angebote und Zielgruppenerreichung via Social Media“.
Eigenes hauptamtliches Personal im Jugendring, um das Potential des Ringes und der Ehrenamtlichen abzurufen
Eigenes hauptamtliches Personal im Jugendring, um eine funktionierende Struktur zu gewährleisten und das Potential des Ringes und der Ehrenamtlichen abzurufen, erscheint als wichtigster Faktor und entscheidende Stellschraube, denn es bietet erst die Ressourcen, die vielfältigen Maßnahmen und Optionen in Angriff nehmen zu können, die dann als Gelingensfaktoren wirken können.
Die Erkenntnis, dass eigenes hauptamtliches Personal wichtig für die Qualität und den Erfolg eines Jugendringes ist, ist dabei nicht neu. Die Bewertung hat sich im Laufe des dreimaldrei-Projektes durch die Erfahrungen an den einzelnen Standorten aber vor allem auch durch den im Rahmen von dreimaldrei angeregten Austausch und Diskussion mit Ringen und kommunalen Jugendreferaten verändert: eigenes hauptamtliches Personal bei den Ringen ist nicht nur ein unterstützender Faktor sondern die entscheidende Stellschraube, soll der Konstrukt der Ringe als basisdemokratischer Zusammenschluss von Jugendverbänden, Organisationen und Jugendgruppen mit all ihren Stärken funktionieren können.
Wenn Jugendringe mit verlässlichen (von kommunaler Seite bereitgestellten) Ressourcen ausgestattet sind, sind sie eine etablierte Größe vor Ort und als Partner anerkannt und gebraucht. Gibt es hauptberufliches Personal, steigt auch die Anzahl ehrenamtlich Aktiver an. Ausreichend Begleitung und Unterstützung der Engagierten durch Hauptamt sichert den weiteren Zuwachs bürgerschaftlichen Engagements. Sie entlasten Ehrenamtliche ganz konkret und nachhaltig und ermöglichen oftmals erst ehrenamtliches Engagement in den Jugendverbänden, Vereinen und im kommunalen Raum für Kinder und Jugendliche.
Dort treten Jugendringe dann klar erkennbar und mit deutlichem Profil für die Interessen und Probleme der Kinder und Jugendlichen ein. Jugendringe werden auch als (zeitnah und fachlich kompetent agierende) Service- und Kontaktstelle für die Mitgliedsorganisationen wahrgenommen, es besteht ein stabiler Kontakt und Austausch mit und zwischen den Mitgliedsorganisationen. Sie können die Angebote im kommunalen Raum vernetzen und koordinieren. Modellhafte Jugendringe kommunizieren und kooperieren dabei mit allen, die im kommunalen Raum im Feld der offenen, mobilen, verbandlichen, musisch-kulturellen oder schulnahen Jugendarbeit tätig sind und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ermöglichen. Sie unterstützen durch Veranstaltungen unterschiedlicher Art Kinder und Jugendliche sowie ihre Mitgliedsorganisationen in ihren Bedürfnissen und geben der Jugendkultur auf kommunaler Ebene neue Impulse, indem sie beispielsweise ein Bewusstsein für und Kenntnis über neue Mitgliedsorganisationen schaffen.
Ideal für das Zusammenwirken und eine hohe Qualität der Kinder- und Jugendarbeit ist eine strategisch kluge Zusammenarbeit von Jugendringen und kommunalen Jugendreferaten. Eigenes Hauptamt in beiden Bereichen ermöglicht eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den notwendigen Ressourcen.
Natürlich gibt es auch einzelne Ringe, die durch besonders günstige Voraussetzungen, auch auf ehrenamtlicher Basis hervorragend funktionieren. Dies wird getragen durch hohes fachliches Knowhow von langjährigen, erfahrenen ehrenamtlichen Jugendarbeiter*innen und/ oder durch das Engagement von pädagogischen Fachkräften, die hauptamtlich bei den Mitgliedsverbänden des Ringes oder Einrichtungen arbeiten.
Oft funktionieren solche Konstrukte aber nur über bestimmte Zeiträume, jedenfalls gewährleisten sie keine strukturelle Sicherheit. Immer aber sind sie zumindest von den zeitlichen Ressourcen und damit bezüglich Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt und können somit das vorhandene Wirkungspotential nicht ausschöpfen.
Bezüglich der notwendigen personellen Ressourcen, die bei den Ringen als Grundausstattung benötigt werden, ist grundlegend an qualifiziertes und engagiertes (sozial-)pädagogisches Personal zu denken. Dies ermöglicht neben einer hohen fachlichen Positionierung und Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit v.a. die notwendige Kommunikation mit den Mitgliedsverbänden und Vereinen führen zu können, sie bei ihren Aufgaben zu unterstützen und für die weitere Arbeit zu motivieren. Durch hauptamtliches Personal erhöhen sich die Engagement- und Beteiligungsmöglichkeiten und es hilft insbesondere auch jüngere Engagierte in die Strukturen einzubinden sowie Kindern und Jugendlichen Artikulationsmöglichkeiten für Ihre Bedarfe zugänglich zu machen.
Ergänzend oder temporär/ im Einzelfall alternativ sind Personalressourcen für administrative und organisatorische Aufgaben oder Verwaltungstätigkeiten einzuplanen. Diese helfen, die ehrenamtlichen Akteure an dieser Stelle so zu entlasten, dass sie sich stärker um die eigentliche/ inhaltliche, vernetzende und kommunalpolitische Arbeit des Jugendringes kümmern können.
Art und Umfang der benötigten personellen Ressourcen sind im Einzelfall vor Ort zu bewerten und auszuhandeln. Auch hängt es natürlich stark von der Größe und Struktur des Landkreises oder der Kommune ab, sowie vom Umfang der jeweiligen Dienst- und Serviceleistungen, welche die jeweiligen Ringe in Landkreis oder Kommune übernehmen. Agiert ein Ring als freier Träger in verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Kinder- und Jugend(sozial)arbeit oder übernimmt er einzelne Aufgaben für Landkreis oder Kommune, sind natürlich eigene Aufstellungen vorzunehmen.
Als Grundausstattung für einen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt bzw. kreisangehörige Städte mit eigenen Jugendringen sind 100% für eine erfahrene (sozial-)pädagogische Fachkraft sowie eine Verwaltungskraft mit 50 % eine angemessene Mindestgröße.
Mit geringerer Personalausstattung können natürlich auch positive Wirkungen erzielt werden, allerdings nur schwer in einem Maß, dass tatsächlich ein echter Mehrwert sichtbar und weiteres Engagement ermöglicht wird.
Zusätzliche Personalressourcen und andere finanzielle Mittel für den Ring und die Kinder- und Jugend(verbands)-arbeit können auf dieser Grundlage über Projektförderungen und themenbezogen sehr viel besser akquiriert und entsprechende Förderprogramme abgewickelt werden. Oftmals rechnet sich das investierte Personal auch in dieser Hinsicht, da die zusätzlich für die Kommune oder den Landkreis akquirierten Mittel oft den kommunalen Mitteleinsatz ausgleicht oder sogar deutlich übersteigt.
Gemeinwesen-, Netzwerk- und Lobbyarbeit
Eine zentrale Stellschraube ist eine breite Gemeinwesenarbeit des Ringes mit der Erarbeitung von vielfältigen Bezügen und Kontakten. Dies ist zum einen notwendig, um Bedarfe von Kindern und Jugendlichen sowie der Kinder- und Jugendarbeit in der Breite zu erfassen, als auch, um für diese Bedarfe einzustehen und sie in den verschiedensten Zusammenhängen vertreten zu können oder den Kindern und Jugendlichen hier direkte Anschluss- oder Beteiligungsmöglichkeiten zu eröffnen.
Mit der Bekanntheit und Anerkennung des Ringes und seiner Jugendverbände sowie deren Maßnahmen im Gemeinwesen und der Bevölkerung steigt seine Relevanz. Für die einzelnen Zielgruppen ebenso, wie für Politik, Verwaltung, Kooperationspartner*innen oder Geldgeber*innen. Eine zielgerichtete Netzwerk- und Lobbyarbeit gehört also mit zu den Grundaufgaben eines Jugendringes, damit die inhaltlichen Ziele zum Wohle der Kinder und Jugendlichen erreicht werden können.
Jugendringe und Jugendverbände sind hier in deutlichem Nachteil zu Erwachsenenverbänden und Interessenvertretungen und benötigen deshalb eine besondere Unterstützung. Zwar besitzen die jugendlichen Akteur*innen oft hohes fachliches Knowhow und eine enorme Innovationskraft, es fehlt aber an den Möglichkeiten einer dauerhaften, langjährigen Netzwerkarbeit. Die jungen Leute wechseln sehr viel schneller ihre Aufgabenbereiche innerhalb eines Engagements, sind durch Schulabschluss oder Studium enorm eingebunden, oder wechseln schlicht für Ausbildung, Studium oder die erste Festanstellung in eine ganz neue Region und sind dann einfach wieder weg. Die Kontinuität in der Gemeinwesen- Netzwerk- und Lobbyarbeit muss deshalb mit durch das Hauptamt gewährleistet werden.
Erfolgreiche Kooperation mit den kommunalen Jugendreferaten
Für die Qualität der Jugendarbeit im Landkreis braucht es das Zusammenspiel einer starken Kommunalen Jugendarbeit sowie eines starken Ringes als Zusammenschluss freier Träger. In diesem Zusammenspiel können unterschiedliche Sichtweisen und Aufträge sowie Möglichkeiten und Chancen dieser beiden Systeme für die Interessen/ Bedarfe der Kinder und Jugendlichen sowie die Qualität der Jugendarbeit genützt werden.
Dies ist notwendig um jungen Menschen, die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote bedarfsgerecht weiterentwickeln und zur Verfügung stellen zu können, Ressourcen dafür zu erwirken zu können, für Interessen/ aktuelle Bedarfe von Kindern und Jugendlichen einstehen zu können, oder auch um eine funktionierende direkte Kinder- und Jugendbeteiligung im kommunalpolitischen Kontext ermöglichen zu können.
Damit dies gut gelingt braucht es eine vorbehaltsarme und offene Zusammenarbeit, gegenseitigen Respekt und den Willen, für das beste in der Sache gemeinsam zu ringen und hierfür die eigenen Möglichkeiten als Vorteile in eine gute Kooperation einzubringen.
Eine gute und strategisch kluge Kooperation von Kommunalen Jugendreferaten und Jugendringen sind also ein entscheidender Schlüssel für die erfolgreiche Arbeit des Jugendreferates/ kommunaler Jugendarbeit sowie des Jugendringes und der Jugendverbände.
Stärkung von Mitgliedsverbänden und Kooperationspartnern
Ein Jugendring sollte nie in eine Konkurrenz zu seinen eigenen Mitgliedsverbänden und Organisationen treten oder von diesen so empfunden werden. In einem Ring geht es darum, als Zusammenschluss der Kinder- und Jugendarbeit stark aufzutreten, gleichzeitig aber die Besonderheit und Leistung jedes einzelnen Mitgliedsverbandes mit unterschiedlicher Werteorientierung und einer Vielfalt an Angeboten für unterschiedliche Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt zu stellen und diese zu unterstützen.
Ein Jugendring tut gut daran, seine Mitgliedsverbände und auch Kooperationspartner*innen durch seine Netzwerk- und Serviceleistungen als auch in der Darstellung nach außen und Bewertung der Arbeit der einzelnen Gruppen zu stärken. Dies verhindert eine Konkurrenzsituation mit einem möglichen Blockieren oder Abwerten des Jugendringes und seiner Arbeit und verstärkt im Gegenzug Beteiligung und Engagement am Jugendring und seinen Themen.
Das es notwendig ist, sich durch die Darstellung und Öffentlichkeit oder auch durch das „Spielen von möglichen Bällen“ (also Ermöglichung von Kontakten, Vermittlung von Informationen, etc.) gegenseitig zu stützen und zu stärken, muss oftmals erst mit einem gemeinsamen Verständnis erarbeitet werden. Sich gegenseitig berechtigt zu loben – in der Öffentlichkeit und bei Entscheidungsträger*innen – und den gegenseitigen Nutzen und die Leistung des einzelnen in den Vordergrund zu stellen, hilft hier allen Beteiligten – und macht auch eine Kommune und einen Landkreis attraktiver.
Verlässlichkeit und Kontinuität als Partner*in
Jugendringe und Jugendverbände stehen im Spagat, zum einen Engagement- und Spielwiesen für junge Menschen zu ermöglichen, die auch mal ein Scheitern zulassen müssen, sowie zum anderen in einer sich professionalisierenden Gesellschaft sowie Kinder- und Jugendarbeitslandschaft mit ständig und vergleichsweise schnell wechselnden Aktiven eine hohe Verlässlichkeit und Kontinuität als Partner*in zu gewährleisten.
Je besser dieser Spagat freilich gelingt, desto eher wird der Jugendring dieser komplexen und teilweise gegensätzlichen Anforderung gerecht. Grundsätzlich lässt sich auch diese Aufgabe für einen Jugendring nur mit eigenem hauptamtlichem Personal gewährleisten.
Davon unabhängig aber müssen sich die Akteur*innen der Bedeutung dieses Faktors bewusst werden und sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten hier bewähren. Insbesondere in der Zusammenarbeit mit den Verwaltungen können und müssen hier notwendige Pluspunkte gesammelt werden, damit eine weitere Unterstützung möglich wird. Innerhalb des Vorstandsteams muss geprüft werden, wer für was am besten die inhaltliche und Kontakt-Verantwortung übernehmen kann. Gleichzeitig muss den ehrenamtlichen Akteur*innen zugestanden werden, dass ihr Engagement natürlich Grenzen haben kann und darf. Die Kontakt-Verantwortung und Aufgabe der Unterstützung und Begleitung liegt hier dann bei den professionell ausgestatteten Strukturen und Kooperationspartner*innen, insbesondere bei den kommunalen Jugendreferaten.
Zwei wesentliche Stärken von Jugendringen, mit der im Kooperationsgefügte in diesem Zusammenhang ebenfalls gepunktet werden kann, sind Innovationskraft und Weitblick für den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit.
Gute Öffentlichkeitsarbeit
Zu einer gute Öffentlichkeitsarbeit eines Jugendringes und seiner Verbände gehört es, die verschiedenen Kanäle für die verschiedenen Zielgruppen zu bedienen: die unterschiedlichen Kinder und Jugendlichen mit ihren Familien, Fachkolleg*innen und Multiplikator*innen, Entscheidungsträger*innen in Politik, Verwaltung, Wirtschaft/ Handel und Gesellschaft. Notwendig ist deshalb eine zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit mit unterschiedlichen Medien und der passenden Kommunikation und reicht von Bedienen der Amts-/ Gemeindeblätter sowie Lokalpresse über Social Media bis zu speziellen Medien bestimmter Zielgruppen (z.B. türkischsprachige Presse und Radiosender oder Medien der LSBTTIQ-Community).
Bezüglich der Presse ist insbesondere in einer Aufbauphase für Unterstützung durch eine positive und weiter motivierende Berichterstattung zu werben. Hierfür sind der persönliche Kontakt und eine Offenheit für die geplanten Entwicklungen im Ring entscheidend. Gegebenenfalls müssen Türöffner*innen gefunden werden, die einen persönlichen Kontakt herstellen.
Was braucht es – Rahmenfaktoren?
Politische Rückendeckung + notwendige Unterstützung
Der vielleicht wichtigste, grundlegende Faktor für einen erfolgreichen Aufbau und Fortbestand eines Jugendringes ist eine grundsätzliche Rückendeckung von Verwaltung und zuständigen politischen Gremien. Auf dieser Grundlage können die Engagierten handeln. Alle weitere, notwendige Unterstützung muss verhandelt werden – dies kann im Einzelfall ganz unterschiedlich sein und reicht von „ideeller Unterstützung, Kontakte und Türen öffnen“ bis hin zur „Bereitstellung von eigenen Finanz- Personal- und Sachressourcen“.
Welches die notwendige Unterstützung ist, muss auf Grundlage der Bedarfe der Kinder und Jugendlichen sowie der Kinder- und Jugendarbeit individuell vor Ort ausgehandelt werden. Fehlen im Gegensatz politische Rückendeckung und die vor Ort definierte Mindestunterstützung, wird eine positive Entwicklung schwierig bis unmöglich. Die Engagierten kämpfen sich ab, bekommen aber keinen Fuß auf den Boden und hören schließlich demotiviert auf. Eine negative Bewertung der Jugendring-Struktur wirkt nach innen (die Jugendverbände und Organisationen bekommen kein Vertrauen oder sehen keinen Sinn darin, sich im und für den Jugendring zu engagieren) als auch nach außen (Ämterstrukturen, Kooperationspartner*innen, Öffentlichkeit).
Oftmals sind dabei Verwaltung und Politik nicht grundsätzlich ablehnend, fordern aber als Vorleistung von den Ringen und den ehrenamtlich Engagierten, genau das, was ein Ring eben nur mit hauptamtlicher Grundstruktur leisten kann: ein lebendiges Netzwerk der Mitgliedsverbände, viele junge Engagierte und Einbindung bisher nicht/ nur teilweise erreichter Zielgruppen, sichtbare Serviceleistungen für die Mitgliedsverbände, Einmischen bei jugendpolitischen Diskussionen und die fachliche Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit, konkrete Maßnahmen und Angebote für Kinder und Jugendliche.
Leider werden die Erwartungen/ Voraussetzungen für eine mögliche Unterstützung von Seiten des Landkreises oder der Kommune hier oft sehr hoch gesetzt. Diese Vorleistungen können aber die ehrenamtlich Aktiven ohne die benötigte Unterstützung gar nicht erbringen. Hier haben wir eine typische „Henne-Ei-Problematik“. Was muss als Erstes erfolgen, um dann im Gegenzug wieder ermöglicht werden zu können.
Grundsätzlich kann hier bestätigt werden, dass mit der beschriebenen Grundausstattung ein Jugendring großartiges leisten kann, was dem Landkreis oder der Kommune vielfach wieder zugutekommt: bezüglich des Engagements von jungen Menschen für ihren Landkreis oder ihre Kommune, bezüglich Umfang und Qualität der Kinder- und Jugendarbeit sowie bezüglich zusätzlichen Ressourcen, die für den Landkreis oder die Kommune akquiriert werden können.
Eine Investition in die Jugendringe und die Jugendverbandsarbeit ist eine Investition für die Zukunft, die sich lohnt!
Grundausstattung an Ressourcen
Die notwendige Grundausstattung an Ressourcen muss vor Ort definiert und ausgehandelt werden. Ebenso die darüberhinausgehenden Ressourcen, abhängig von den vom Jugendring übernommenen Aufgaben.
Für einen Jugendring ist eine personelle Grundausstattung mit (sozial-)pädagogischen Hauptamt (100 %) und Prozente für eine Verwaltungskraft (50%), die Nutzungsmöglichkeit von Räumen als Geschäftsstelle sowie ein angemessenes Grundbudget für Sachmittel zu empfehlen, mindestens auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte. Näheres siehe Kapitel „Eigenes hauptamtliches Personal im Jugendring, um das Potential des Ringes und der Ehrenamtlichen abzurufen“.
Engagierte Menschen + Verbände
Natürlich sind das wichtigste und das Herz eines jeden Jugendringes die engagierten jungen Menschen und die Mitgliedsverbände und Organisationen. Ohne sie geht es nicht. Allerdings gelingt es gut diese zu finden und weiter zu motivieren, wenn die in den vorangegangenen Kapiteln beschriebenen Voraussetzungen („politische Rückendeckung und notwendige Unterstützung“) gewährleistet sind.
Im Gegensatz reiben sich die Engagierten auf und verlieren die Motivation, wenn genau diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Von der Bewertung her stehen „die engagierten Menschen und Verbände“ also an erster Stelle. Für eine strategische Vorgehensweise, um einen Ring zu unterstützen oder gar neu aufzubauen, stehen „Rückendeckung von Politik und Verwaltung“ und die „jeweils benötigten Grund-Ressourcen“ an erster Stelle.
Was braucht es nicht – Misslingensfaktoren?
Ursprünglich wollten wir in diesem Bericht neben den „Gelingensfaktoren“ auch die „Misslingensfaktoren“ beschreiben. Um die Übersichtlichkeit zu bewahren und eine Redundanz zu vermeiden, haben wir alle Faktoren nun doch ausschließlich als „Gelingensfaktoren“ beschrieben.
Grundsätzlich können alle „Gelingensfaktoren“ auch als „Mißlingensfaktoren“ beschrieben werden. Und tatsächlich ist bei einem „Nicht-Nützen eines zentralen Gelingensfaktor“ nicht nur eine schlechtere Weiterentwicklung des Ringes die Folge, sondern kann das Scheitern des Gesamten bedeuten.
